Triebe. 465
; heſtimmte Zeiten gebunden ſind, um ſie un eine regelmäßige Thätigkeit zu
gewöhnen. Dies iſt bejonders bei dem hereit3 trägen Zvgling nothwendig,
; deſſen Thätigkeit in ſtuſenweiſem Aufſteigen in Anſpruch genommen werden -
„müß. Milde ſagt: „Die partielle Unthätigkeit, die auf einzelne Gegen-
; ſtände bejhränkt iſt, entſteht aus dem Mangel an Intereſſe, aus dem
- Fixirtjein des Kopfes oder Herzens auf andere Gegenſtände, aus der
. Schwierigfeit der Beſchäftigung ſelbſt, aus dem Widerwillen gegen den
. Gegenſtand, aus Mangel an der Hoſfnung. des Gelingens, aus zurück-
- ſchre&enden äußern Umſtänden, aus dem Hang zur tändelnden, müheloſen
: over angenehmen Beſchäftigung. Jeder denkende Erzieher wird aber ohne
' weitere Erinnerung wiſſen, was er in einem ſolchen Falle zu thun oder zu
- anterlajjen habe, ſobald ex die Quelle des Uebels kennt.“ Man ſtellt eine
. xegel- und zwedmäßige Thätigkeit her, wenn man den Zögling zu der Erx-
- fenntniß führt, was, warum und wie er etivas8 bewirken ſoll, und wie
: nothwendig es jei, daß alles zu rechter Zeit geſchehe und in der rechten
Ordnung. Hierauf muß der Erzieher feſt beſtehen, venn der AuZartung
- ves Thätigleitstriebes wehrt nicht3 ſo ſehr, als Regelmäßigkeit und Ord-
ming. Nicht minder fordert die erfolgreiche Leitung jenes Triebes, daß.
- man ihn gewöhne, bei allen Aufgaben und Geſchäften genau zu verfahren,
Einer gewiſſen Lahmheit, die bei der Thätigkeit mancher Kinder hervortritt,
- mag dadurc< begegnet werden, daß man die Zeit zur Vollendung der Ar-
"heiten vorſchreibt und einen Wetteifer dabei möglih macht, Do ſoll hierin
. niht ſoweit gegangen werden , daß daraus eine unbeſonnene Uebereiltheit
' entſteht. Bei lebhaften Kindern ärtet der Thätigkeitstrieb leiht in Ober-
» ſlächlichkeit aus, beſonders wenn ſie mit Arbeiten überladen werden, und
- hei ihnen hat .man daher vorzugsweiſe darauf zu ſehen, daß ſie das, was
fie zu vollbringen haben, genau vollbringen und eine Ehre darein ſeßen
lernen, es jo vollkommen als möglich zu thun; es iſt ihnen z, B. aufzu-
j logen, einen Brief oder ſonſtigen Aufſaßz nicht aus der Hand zu geben, ohne
ihn vorher durchlejen und nachcorrigirt zu haben. Der Thätigkeitstrieb
' muß endlim an Ausdauer gewöhnt werden. „Was der Knabe anfängt
(ſagt Milde in ſeiner Erziehungskunde Bd. 11. 8. 213.), ſoll er vollenden;
er joll nicht zu neuen Geſchäften übergehen, bis die vorhergehenden vollen-
det ſind ; er foll ſich nicht ermüden , nicht durch jedes Hinderniß ſcen
laſſen. Das fortwährende Tändeln mit der Jugend, das Übermäßige Er-
leichtern des Unterrichtes, die zu große Abwechs8lung mit den Gegenſtänden,
das Fügen in die Launen der Kinder, Fehler, die zur Mode geworden ſind,
haben jhwache Menſchen zur Folge, die ſich nur nach ihren Launen richten,
viel mit Eifer anfangen, aber nichts vollenvet ; auf ebenem Wege laufen,
bei dem kleinſten Hügel zurückſhre>en und ſtehen bleiben.“ Da das öftere
- Mißlingen eines Geſchäftes ſehr lähmend auf den Thätigkeitstrieb der Kin-
der wirkt, jo iſt von Seite des Erzieher8 wohl zu erwägen , was er als
Uebung für denjelben aus8wählen foll. Den Thätigkeitstrieb zu wenig oder
. zu viel zu ſpannen, ſchwächt die Thätigkeitsluſt ; ebenſo wenn man keine
und jede Leiſtung anerkennt. =- Jndeß hat die Geſchichte de3 Chriſtenthums
' deit Beweis geliefert, daß da die Triebe alle in ſchönſter Harmonie und
“Ordnung ſich entwi>eln, wo man der katholiſchen Erziehungsmittel ſich be-
dient. Wey kann z. B. die Kraft verkennen, welche in ihnen liegt, um die
“ ſinnlichen Triebe zur Ausartung zu bewahren und um ſie in der rechten
. Unterordnung unter die geiſtigen Triebe zu erhalten ! Wer weiß nicht,
. welche edle Richtung ſie ven ſinnlich-geiſtigen Trieben geben! Und wer ſich
“Überzeugen will, welche Nahrung ſie den geiſtigen Trieben hieten, und was
ſie aus dieſen zu machen vermögen, der braucht nur die Nachfolge Jeſu
- von Thomas von Kempen zu leſen.
- Enchclopädie des Unterrichtö- und Erziehungöweſen. IV. 30

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