Undank, Undankbaxrkeit. -- Ungarn, 491
ZBeachtitng der Lehrer verdient, die Undankbarkeii gegen ſie ſchreitet in dem
Zrade vorwärts, al8 der Glaube und religiöſe Sinn aimimmt. Die Ge-
ebgebungen, welche alle corvorativen Bande, ſelbſt jene der Familie lockerte,
nachen den Einzelnen brutal, rüdſichtSlvs und treiben ihn dahin, nur
zuf ſich Felbſt zu fehen, um ſein Jniereſſe zu verfolgen. Dies darf bei
er Erziehung wohl in Rechnung gebracht werden. Wer die Nohheit , die
Zügelloſigkeit , vie -Gefühlloſigkeit begünſtigt, pflanzi zugleich die Undvank-
yarfeit, Der Undankbare joll es hören, was der heil. Auguſtin jagt in
den Worten: „Der Undank iſt die Wurzel aller Uebel , ein Wind, der
alles Gute dur<ſchneidet und brennt, und vie Quelle der göttlichen Gnade
verſtopft.“ Cinen moraliſch-deſtrukiiven Einfluß auf vie Kinverwelt übt es
beſonders, wenn die Schule gegen die Kirx wird uns kein Land zeigen können, wo ein ſolches Benehmen der Schule
Glüd gebracht hätte. S. d. A. Dankbarkeit.
Ungarn, Dieſes mächtige Kronland der bſterreichiſchen Monarchie zählt
auf 3,897,26 [] Meilen 8,744,481 Cinwohner. Für die Schulgeſchichte
dieſes Landes fließen die Quellen jo jpärlich, vaß es ſelbſt einem Freiherrn
von Helfert kaum gelingen wollte, die ungariſche Shulgejeßprpmug von
1777 (Ratio 8eu Systema edugationis ete.) aufzufinden ; mit vieler Mühe
iſt es ihm gelungen, ein im Vrivatbeſiß befindlicges Gremplar derjelben
aufzutreiben. Dies iſt dex Grund, warum wir uns lediglich an jeine Däar-
ſtellung (Geſchichte der öſterreichiſchen Volksſchule) und an die Angaben
verſchiedener pädagogiſcher Journale halten mütſen.
Wer ſich daran erinnert, wis die Türken im ſechzehnten und ſiebenzehnten
Jahrhunvert in Ungarn hauſten, wird die Berzüögerung begreifen, welche bei
ver Entwieklung der dortigen Schulverbeſſerung ſtatigefunden hat. Aus
einem türkiſc wo günſtigere Vorbedingungen beſtanden, die Anſtalten ver Bildung her-
vorloden, vder erwarten, daß die für die Exrblühung ſolcher Anſtalten von
Seite ver kaiſerlichen Negierung getroffenen Maßregeln in demſelben eine
raſche und günſtige Aufnahme finden würden. Ciner folhen Aufnahme
ſtanden übrigens nog zwei weitere Montento entgegen: „Das eine dieſer
Momente (jagt Helfert) lag in der Verfaſſung, welche eine Vielheit von
kleinen Souveränetäten gejhaffen hatte, die ihren Stolz varein ſebten zu
zeigen, daß ſie nicht da jeien, um ſich auf eigenem Grund und Boden einen
beſſeren Weg führen zu laſſen, als ſie hisher unter der halb barbariſchen
Herrſchaft ves Tripartitum gewandelt waren ; das zweite lag in der un-
ſeligen confeiſivnellen Spaltung , die von Anbeginn unter den Protefianten
Ungarns einen Geiſt ves Mißtrauens8, des Widerſpruches gegen Alles, was
von der katholiſchen Negierung, oder von der katholiſchen Mehrheit ves
Landes kam, erzeugt hat. Dieje bedauerliche Empfindlichkeit verrieth ſic<
namentlich auf vem Gebiete der Sc einen vagen Begriff von Autonomie herangebildet hatte, der ſich jelbſt die
engſtgezogenen Grenzen des DOvermiſſichts- und Berwahrungsrechtes, Öhne
das fein ſtaatliher Geſammtbeſtand gedeihen kann, nicht gefallen laſſen
wollte. Ein drittes Moment, jener PanmagyariEmus , der innerhalb der
Marken des durch eigene Schuld zur größern Hälfte verlorenen und durc)
ſremde Waſſen ihm wiedergewonnenen Landes nicht mur das bildung3be-
dürftige Volk der Nomanen, nicht nur die au Bildung und Geſittung ihm
theils gleichſtehenden, theils überlegenen ſlaviſchen Sprachſtämme, ſondern
: ſelbſt das an geiſtigem Anſehen unv Reichthum ihn ohne Vergleich Über-
' » ragende Deutj : Unterwerfen möchte, lag damals, wo ſich alle Völkfeyx Ungarns auf dem

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