762gA, Wianpheus, ==“ Beracytung. : 243
eit aber, welche im ſechſten Buche beſprochen wird, begreift in ſich: die
Sittſamkeit zu Hauſe und beim Gaſtmahle, in ven Lempeln und an heili-
gen Orten, auf dein Markte und an andern öffentlihen Orten, bei dem
Aufenthalte auf dem Lande, ſowie bei verſchiedenen Gelegenheiten, 3. B.
heim Eſſen, auf den Spaziergängen 26. Den Scluß bildet ſodann die Er-
möhnung an die Jünglinge, die Zeit weiſe zu benüßein und das Studium
ver Wiſſenſ vor dem Zeitverluſte, dem größten Verluſte, wie Zeno der Stoiker ſagt,
hewahren, jondern ſich auch auf das Vollkommenſte und Vollſtändigſte unter-
weiſen, wie ſie beſcheiden, ernſt und fromm leben , die Eltern und vas
Vaterland liehen , Gott verehren, die ſinnlichen Lüſte verachten, die Laſter
verabſcheuen ſollen und ſo die volle Wahrheit eines Ausſpruches, welchen
Ariſtoteles gewöhnlich, allzeit und überall, wo er nur immer verweilte,
ſeinen Schülern unv Freunden gegenüber im Munde führte, einſehen, daß
„der Geiſt von den Wiſſenſchaften Licht, wie die Sehkraft von dem reinen
himmel empfange.“
A15 diejer gedrängten Darſtellung erſehen wir, welch' umfaſſende Er-
ziehung3- und Unterrichis8lehre Maphe us Vega varbieiet, würdig eines
Mannes, der jein ganzes Leben hindurc& ein Schüler des heil. Auguſtinus
zu ſein ſich beſirebte. Die von uns ausgezogenein Säße begründet er durch
eine fortlaufende Neihe von Beweisſtellen aus den klaſſiſchen Schriftſtellern,
Dabei beleuchtet er ſeine Behauptungen durch die treffendſten Beiſpiele,
aus dem Leben, wie aus der Wiſſenſchaft genommen, und indem er die
Leſer erbaut, belehrt und bereichert er fie zugleich mit ſeinen gewonnenen
Kenntniſſen. Wir haben vollſtändig den Studien- und Erziehungsplan des
Mittelalters vor uns, in den jeder Pädagog ſich hineinleben ſollte, um bei
der Br eung Der Jugend in erleuhteter Weiſe Gott und der Kirche dienen
zu üönnen.
| Verachtung. Sie ijt die in Worten oder im Benehmen ſich kundgebende
Geringſi und geiſtigen Beſchaffenheit, over wegen ſeiner untergeordneten Stellung,
und ſtelit daher den Gegenſaß zu Achtung dar. Verachten darf der Chriſt
nur das wirklich Verachtungswerthe, d. i. das Werthloſe, das Nichtige, das
Unwahre, das Untittliche, folglih Alles, was dem Willen Gottes wider-
ſpri thum , aber den Irrenden felbſt darf man nicht verachten ; man mag ſich
nit tugendhafter Erhabenheit abwenden von dem Vergehen eines Menſchen,
aber den Menjhen ſelbſt darf man nicht in den Staub treien ; man mag
die geiſtige Schwäche eines Andern erkennen, aber ihm deßhalb allen Werth
abſprechen (= verachten), das darf ver Chriſt nicht thun; man mag ſich's
dentlich bewußt ſein, daß man einem. Andern gegenüber eine höhere und
einflußreichere Stellung einnimmt, aber daraus das Recht ziehen wollen,
den niederer Geſtellten gering zu achten, iſt ſelbſt verachtungswerth. Dieſe
Schüler, a) Für Lehrer, denn ſie ſollen die Verachtung an Andern
verhindern reſp. ſie ihnen abgewöhnen ; b) für vie Schüler, vemn ſie
ſollen Menjhen und Dinge im an die Selbſtvergegenwärtigung der eigenen mangelhaften Beſchaffenheit ge-
wöhnt werden , um darin einen Zaum gegen die Verſuchung, Andere zu
verachten , bereit zu haben. Die Verzogenheit vieler Kinder macht cs Zur
Pflicht, jie viel in der Demuth und Achtung Anderer zu Üben ; „ies vürfte -
wohl das jouveränſte Mittel fein , zu verhindern, daß ſie Jemanden ver-
achten ; inSbejondere muß bei diefer Uebung der alten und gebrech-

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