589 Volksſchule, Aufgabe derſelben> -=-- Vortrag.
Gedächtniſje entſchwinden und auf dieſe Weiſe eben ſo ſehr zu ſchiefen, als
zu richtigen Urtheilen Veranlaſſung geben. Auch iſt dieje Art und Weiſe,
in der Volksſchule den realiſtiſchen Stoff zu verarbeiten, einer geſunden
Volksihulkunde nicht entgegen; iſt es doc< ein Grundſaß, ven auch Gräfe
auſſtellt und weiter entwickelt, daß nicht Alles, was der Zwe ver Volks.
jhule weſentlich verlange, in beſondern Stunden gelehrt werden müſſe.
(Die deutſche Volksſchule 1, 400.) Bildung der Sinne, Leſen, Verſtändniß
des Gelejenen, Fähigfeit, fich mündlich auszudrüFen und das , was man
ausdrücden will, in gefälliger Form ſchriſtlich niederzulegen, Kenntniß der
Zahlenverhältnijje und Fertigkeit, dieſelben auf das, was im gewöhnlichen
Leben vorkömmt, anzuwenden, Bekanitichaſt mit der äußern Umgebung und
der Grundgejeße der gewöhnlichſten Natureeſcheinungen, warme Liebe zum
Heimathlande, genährt durc< die vaterländiſche Geſchichte und patriotiſche
Lieder , das iſt, was neben der dung die Volksj ſte&en, iſt vom Uebel. Leiſtet vie Volksſchule aber das, dann wird man
ein aus diejer Schule hervorgegangenes Bolk nicht für ein in der Dumm:
beit gehaltenes betrachten können, noch werden die einzelnen Individuen
nicht hinreichend befähigt fein, anf Grunv der erhaltenen allgemeinen Bil-
dung eine beſondere Berufshildung ſich anzueignen.
Vorbereitung zum Lehrerſtande, 1], Präpaxandenbildung.
Bortrag. Die Art und Weiſe, wie ver Lehrer einen Unterricht8gegen-
jtand vorirägt, iſt jehy wichtig, denn ſie kann viel dazu beitragen, den Kin-
dern die Sache angenehm und ihrem Zwe entſprechend, aber auch) ihnen
diejelbe läſtig und gleichgültig zu machen. Soli ver Vortrag erſteres be:
wirken, jo hat der Lehrer dabei Nachſtehendes zu beachten :
Zunäcyojt ſei der Zuſammenhang feiner Worte klay und gründlich; ex
jei jo eingerichtet, daß jeder geſprochene Saß immer nur eine Folge, ein
Ergebniß, ves vorhergegangenen iſt, durch vas Ganze gehe ein feſter, klarer
und leicht faßlicher Gedanke ; das macht ven Kindern die Sache anziehend
und feßjelt ihre Aufmerkſamkeit; iſt aber dagegen der Vortrag nur ſo ober-
ſlächlich, kann ſein Zujammenhang mix mit Mühe verfol3t unv begriffen
werden, jo ſind natürlich die Kinder bald erichöpft, ihre Gedanken zerfireuen
jich und dey Nußen des Unterrichtes geht verloren. Um aber zu einem
klaren und recht gründlichen Vortrage im Staade, und alſo ſeiner Sache
recht gewiß zu ſein, verſämme der Lehrer nie die erforderliche eigene Vor-
bereitung, Che er die Schulſtunden heainnt, muß er bei ſich ſelbſt bereits
vollſtändig feſtgeſtellt haben, was er bei jedem vorkommenden Gegenſtande
im Wejentlichen ſagen will, wie fic) die Gedanken aneinander reihen ſollen:
er muß reiflich überlegt haben, wie ſich die betreffende Sache auf die ein-
fachſte und begreiflichſto Weiſe darſtellen läßt, und erſt noc mit jim gänzlich im Reinen iſt, hegzinne er ven Vortrag vor den Schülern.
Anfänger im Lehrfache haben auf dieſe Vorbereitung freilich eine längere
Zeit zu verwenden, als ſhon geübte Lehrer; aber auch den lekßtern iſt nicht
zu rathen , irgend einen wichtigen Gegenſtand ohne vorherige in Gedanken
getroffene feſte Anordnung des Planes zu beginnen, wenn ſie nicht wollen,
daß ihnen ſehr oſt der größte Theil ves Nunßens ihrer Bemühung für ven
Fortſchritt ihrer Schüler verloren gehen ſoll. Zweitens ſei der Vortrag
ſtets genau berechnet nach dem Alter, überhaupt yach dem geiſtigen Stand-
punkte der Kinder, und nach der Würde des Gegenſtande8. Hier muß mm
als erſter Grundſjaß gelten, jeden Vortrag für Kinder möglichſt kurz zu
madchen, denn dieſe ſind zum Anhören langer Reden, zu ſtundenlangem Ver-
weilen dei ein und demſelben Gegenſtande, nicht geeignet ; vielmehr haben

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