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588 Voripürfe. =“ W, -- Wahrheit -- Wahrhaftigkeit.
entrüſtet mehr, als ein ungerechter Vorwurf, nichts vereitelt mehr die gute
Wirkung, als Maßloſigkeit im Vorwerfen, und nicht38 entzieht dem Lehrey
mehr Anſehen, al8 unwürdige Vor würfe. Jeder Vorwurf muß aus ge-
nauer Kenntniß des Thatbeſtande38 hervorgehen und darf nicht ſtarren vor
Kälte, ſondern joll unverkennbar den Stempel des Wohlwollens an fich
tragen. Zwar wird man, indem man einen Vorwurf ausſpricht, es nicht
ohne hohen ſittlichen Ernſt thun können ; allein der Ernſt ſchließt das Wohl:
wollen nicht aus. Wie j<ön wäre es, wenn alle Vorwürfe in der zarten
Weiſe abgethan werden könnten, wie zwiſchen Maria und Jeſus : „Kind,
warumt haſt du uns dies gethan?“ und: „Wußtet ihr nicht,“ 2c. Endlich
merke der Erzieher , daß längſt abgemachte Dinge nicht immer wieder voy-
geworfen werden ſollen, denn auc< dies ſ und ſtellt den Erzieher als unverſöhnlich dar. Es wäre ein unentjchuld-
barer Fehler, wenn der Lehrer eines ſeiner Schulkindex darüber mit Vor-
würfſen beſchweren wollte, daß daſſelbe zu Hauſe oder jonſtwo Dinge, welche
wahr ſind, über ihn ausgeſagt, z. B. daß es ihn fluchen, dem Katecheten
iroßen, dem Glauben wiverjprechen 2c. gehört habe. Zn dieſem Falle darf
er wohl an ſeine Bruſt klopfen, aber zu einem Vorwurſe joll er es mi
kommen laſſen. =-- Was hier von dem Lehrer geſagt iſt, gilt in nod viel
höherem Grade von dem geiſtlichen Kateheten und Schulaufſeher , der ſo:
ivohl gegenüber ven Katechumenen als dem Lehrer in den nothwendig wer:
denden Vorwürfen die größte Sicherheit und Bemejſjenheit handhaben und
juchen joll. =- Endlich) muß den Kindern noch eingeprägt werden, daß
jie den Armen ihr jelbſtverſchutdetes Unglüd nicht vorwerjen jollen, indem
ſie ihnen eine Gabe reichten. „Thuſt du Gutes, jo ſchilt ihn nicht aus;
an bei allen deinen „Gaben betrithe Niemand dur< bittere Vorwürte, u
1. 18, 15,
Vorziehen, |. Parteilichkeit.

W.
W, ein weicher Lippenlaut (ſ. Konjonanten), in Norddeutſchland
näher deim | geſprochen, ſteht au: und in wenigen Wörtern inlautend, aus-
[autend nur in Figennameit, z. B. Waſſer, wenig, Wind, Wolf,
Wunder, ewig, Löwe, Witwe, Paaizow: Manches frühere w iſt
jpäter in h übergegangen, z. B. in gerben, Narbe, Farbe, Milbe,
Schwalbe (). B.); heute ſteht noh Wafe neben Bae. In Wrad,
voll. wrak , engl. wrack , wird das w kaum gehört. |
Waghalſigkeit, 1]. Verwegenheit.
Wahrheit --- Wahrhaftigkeit. Daß man es eben ſo gut oder. noch beſſer
fühlt, was Wahrheit iſt, als man e8 auszuſyprechen und zu definiren ver-
mag, Unterliegt wohl feinem Anſtand. Die faſt zahlloſen Verſuche der
Philoſophen, den Begriff der Wahrheit ſeſtzuſtellen, beweiſen es, Die Einen*
ſagen : wahr iſt das, was mit den unwandelbaren allgemein giltigen Ver-

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