Full text: Lexikon der Pädagogik

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langweilig und bringt viel Zeit nutzlos 
hin; wer zu viel vorausſett, entmutigt 
und üÜberbürdet die Jugend. Übrigens 
wird dur) eine geſunde Methode, welche 
immer von der eignen Anſchamung und 
Beobachtung des Schülers oder von dem 
bereits vorhandenen Schakze ſeiner Vor- 
ſtellungen aunsgcht( Apperception) und 
die (*., wo fich irgend eine Anknüpfung 
darbietet, nicht äußerlich gibt, ſondern auf 
das richtige Verſtändnis hinleitet, das Ge- 
biet der E. weſentlich eingeſchränkt und 
dieſer Aufgabe das Ermüdende genom- 
men, was jie ſonſt für Lehrer und Schit- 
ler hat. 
Ermahnung, Keine Erziehung iſt ohne 
E. denkbar. Aber in dieſer Beziehung 
gilt, wenn irgendwo, des Weiſen Rat: 
Jicht zu viel! Oft wiederholte und wort- 
reiche Ermahnungen ermüden die ſröh- 
iche Jugend und ſtumpfen dieſelbe gegen 
ſittlich veredelnde Eindrüc>e ab oder ha- 
ben wohl gar die noc< ſchlimmere Wir: 
kung, erſt auf das Böſe, was vermieden 
werden ſoll, aufmerkſam zu machen. Auch 
hier behauptet die Anſchauung guter Vor- 
bitder und die wohlthuende Erſahrung 
von dem erhebenden Einfluß echt ſitt: 
licher Lebensordnung weitaus den erſten 
Plaß und ſteht hoch über allen Ermahnun- 
gen, welche ihrerſeits erſt fruchtbar werden, 
wenn ſie naturgemäß an ſolche Anſchauun- 
gen und Erfahrungen anknüpfen. Vgl. 
Reſtalozzis Brief über ſein Wirken in 
Sians. 
Erneſti, Johann Auguſt, einfluß- 
reicher Theolog und Schulmann, geb. 4. 
Aug. 1707 zu Tennſtädt in Thüringen, 
war Schüler in Schulpforta und ſiu: 
- dierte (1726-31) in Wittenberg und 
Leipzig. Hier ward er 1731 Konrektor, 
1731 nach Geſßmners Abgang Rektor der 
Thomasſchule, 1756 daneben Profeſſor 
der Veredſamkeit an der Univerſität, 1759 
unter Auſgabe des Schulamts auch Pro- 
ſetor der Theologie. Nach und nach ver- 
band er mit der Profeſſur eine Reihe 
ehrenvoller und einträglicher Neben- 
ämter. Er ſtarb 11. Sept. 1781. -- Als 
begeiſterter Verehrer der alten Klaſſiker 
verwarf] er die einfeitige Pflege des Latein- 
 
Ermahnung -- Ernſt der Fromme. 
jür die Pflege des Deutſchen in der 
Schule ein. Die von ihm verfaßte 
»Shulordnung« (1773) galt in den 
höhern Schulen Sachſens bis 1847. 
Ernſt der Fromme, Herzog zu 
Sachſen-Gotha, geb. 25. Dez. 1601, 
geſt. 26. März 4675: ein um die Entwicke- 
lung des deutſchen Schulweſens, nament- 
lich um die Begründung der deutſchen 
Volksſchule hochverdienter Fürſt. Nach 
rühmlicherBeteiligung an den Kämpfen des 
Dreißigjährigen Kriegs unterGuſtavAdolf 
und dann unter ſeinem Bruder Bernhard 
regierte C. anfangs gemeinſam mitſeinem 
Bruder Wilhelm die Erblande des Vater3 
von Weimar aus und erhielt 4640 bei 
der Teilung das Fürſtentum Gotha für 
ſich, wozu er nachher noch andre Stücke der 
thüringiſch - ſächſiſchen Beſikungen erbte, 
Wie für das äußere Wohl der ihm anver- 
trauten Lande, welche im Kriege ſc<wer ge- 
litten hatten, ſorgte er ganz beſonders auch 
für Kirchen- und Schulweſen. Hinſichtlich 
des leitern war ſein techniſcher Beirat der 
Gymmnaſialreftor Anton RNeyher, wel- 
hen er von Shleufingen nach Gotha be- 
rufen hatte, und der ſich wie der Herzog 
jelbſt als Anhänger der von Ratich und 
Comenius angeregten Neuerungen auf 
dem Gebiete der Pädagogik zeigte. Die von 
NReyher verfaßten Schulbücher wurden in 
einer eigens dazu begründeten Druckerei 
hergeſtellt umdin den Volksſhulen des Für- 
ſtentums eingeführt, deren inneres Leben 
die zuerjt 4642 erſchienene Schulordnung 
(»Schulmethodus8«), ein für ſeine Zeit 
tlaſſiicher und noc< immer h8chſt beach- 
tenswerter Lehrplan, regelie. Für die 
äußere Ausſtattung der Schule und der 
Lehrer wie der Kirche und Geiſtlichen ſorgte 
der ſonſt ſparſame Herzog in ſreigebiger 
und damals ausreichender Weiſe Er ivat 
unter den erſten deutſchen Fürjten, welche 
die allgemeine Schulpflicht geſeßlich ſeſt- 
ſtellten , und die ſpäter ſo fruchtbar ent- 
wielte Jdee eines »Schullehrerſemina- 
riums8« , für welches er leßztwillig einen 
erheblichen Geldbetrag ausſetzte, ſcheint 
geradezu auf ihn zurükgerührt werden zu 
müjſen. Bgl. Be>, E. d, F. (1865, 2 
Bde.); Kehr, Herzog E. d, F. (in »Pä- 
wrechens und =jchreibens und trat auch | dagogiſche Blätter« 1873, S, 4144 jj.)
	        

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