Full text: Allgemeine Didaktik und Erziehungslehre (3)

Der Stufengang der Lehre - = 115 
tungen und Stadien ſind in den folgenden Abſchnitten dieſes Bandes geſchildert -- 
hier ſollen nur die Schemata ihrer Struktur kurz gezeichnet werden. 
1. Impraktiſ<en Teil der Lehre ergibt ſid) ein Aufbau, an deſſen Endpunkt 
das techniſche Derfahren ſteht, das nad naturwiſſenſchaftlicher Berechnung zwedbe- 
ſtimmte Gebilde ſchafft. Am HAinfangspunkt dieſes Weges ſteht eine Praxis, die noh nicht 
vom Zwe beherrſcht iſt: die ſpielende, freie, ausdrudsvolle Tätigkeit des Kindes mit 
dem Material, das die Umwelt ihm bietet. Das Spiel iſt von magiſchem und mythiſchem 
Denken erfüllt; ſpäter wird es ſumboliſch, die Welt im Bild nac<ahmend; zunehmend 
wird es ernſter, nimmt Zwede auf, die aus dem Leben des Uindes und aud) ſhon des 
Erwachſenen ſtammen, es ſchreitet ſomit fort zur Stufe der produktiven, individuellen 
Arbeit. Dieſe nimmt allmählic) mechaniſche Beſtandteile aus den Zuſammenhängen 
der Rollektivarbeit auf, bis ihr produktiver Charakter, damit auch ihr pädagogiſcher 
Wert, eingeſchränkt wird, um in der Erwerbs5arbeit rationaler Arbeitsprozeſſe faſt ganz 
zu verſchwinden. Die methodiſche Aufgabe beſteht darin, die höheren Stufen dem metho 
diſchen Prinzip gemäß zur richtigen Zeit zu entwieln. In die Betätigung auf der einen 
Stufe müſſen jeweils die Merkmale der nächſten Stufe bereits hereinwirken. So ſpielt 
das Kind unter methodiſcher Einwirkung mit einem Material, das in ſid) ſo geordnet iſt, 
daß der Spielverlauf bereits einen Arbeitsverlauf in ſid) enthält, in dem dann gelernt 
wird. Das iſt der Grundgedanke der didaktiſchen Spiele, auf die Fröbel, M. Monteſſori, 
Decroly, Descoudres, Serriere hinweiſen. Anderſeits muß methodiſc) darauf gewirkt 
werden, daß die unteren Stufen der praktiſchen Tätigkeit in den oberen erhalten bleiben. 
Der Urditekt, der einen reinen Zweckbau errichtet, ſoll noh etwas vom magiſchen und 
ſumboliſchen Charakter des Spiels in ſeine Konſtruktion hineinfließen laſſen, der rechnende 
Cedniker muß Phantaſie behalten, ohne die es im Praktiſchen keine Erfindung gibt. 
alle mechaniſche Arbeit bereits des Rindes ſoll neben ihrer Zwedhaftigkeit eine Sphäre 
der Sreiheit, des Spiels, der Anmut bewahren. Behält die praktiſche Lehre dieſe Doppel- 
ſchichtung, ſo darf ſie ſid) bereits im früheſten älter als lebenzunmittelbar, zugleich aber 
propädeutiſch, entwideln. Die methodiſch richtig geführten Kinder verſtehen ſich ſelbſt 
früh zu füttern, zu kleiden, Geſchwiſter zu verſorgen, den Tiſch zu de>en, im Garten, in 
der Werkſtatt, im Hof zu helfen; ſie werden ſpäter mit Werkzeug umgeben und Ted- 
niſches aller Art erſtreben, ſie können dur eine Dorlehrzeit (Serriere) die ernſthafte 
Sorm ſolchen Lernens gezeigt erhalten und ſollten alle in der Wirtſchaft ſelber oder in 
einer ergänzenden praktiſchen Lehrzeit abſchließen. Daß unſer Induſtrievolk die Lehrzeit 
nod) nicht wiedergefunden hat, gehört zu den großen Schwierigkeiten heutiger Erziehung. 
1. Der kontemplativeTeil derLehre bezieht ſich zunächſt auf die Natur. 
Der Stufengang dieſer Betrachtung geht von der Anſchauung der äußeren Dinge zu 
ihrer Ordnung. Die Ordnung wird durch Sammeln und Vergleichen der Beobachtungen 
gewonnen, weiterhin durch die Anwendung des mathematiſchen Ordnungsſc<emas. 
Hus dieſer Anwendung quantitativer Ordnungsſcchemata entſteht die Umordnung der 
erſten Beobachtung zum naturwiſſenſc<haftlichen Weltbild, und aus ihr folgt dann die 
Methode einer zweiten, von naturwiſſenſchaftlicher Hypotheſe geleiteten Beobachtung. 
Die didaktiſche Methode ſieht auch hier wieder darauf, daß die kindliche Beſchäftigung 
mit der Natur den Weg des Ordnens und Sammelns, Meſſens und Berechnens ein- 
ſchlägt, und ſie läßt dur< ihre Anregung und Sührung immer eine höhere Form der 
Betrachtung bereits mittätig ſein, wenn der reifende Menſd) von ſich aus nod) auf der 
vorhergehenden Stufe ſid) bewegt. Die Methode Decroly hat dieſe Einzelfrage vielleicht 
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