Schlerbekämpfung
E'"* ſyſtematiſche, von einheitlichen Geſichtspunkten geleitete Sehlerbekämpfungs-
lehre gibt es bis heute nod nict. Man findet im pädagogiſchen Schrifttum ge-
legentlid) kleinere Abhandlungen über die „Korrektur“ ſchriftlicher Arbeiten; man
kennt auch eine gewiſſe mündliche Überlieferung von manderlei Ratſchlägen, welche
die Dermeidung von unnüßen Fehlern zum Ziele haben; aber es fehlt, wie hinſichtlich
der Sehlerfrage überhaupt, ſo auch hinſichtlich der Fehlerbekämpfung jede planmäßige
Bearbeitung dieſes Stoffgebietes. Gleichwohl känn man nicht behaupten, daß die Schul-
praxis die Sehlerfrage nicht ernſt genommen habe. Man hat im Gegenteil lange Zeit
hindurd) den Sehlern der Schüler, beſonders den in ſchriftlichen Arbeiten gemachten
Sehlern wenigſtens im Hinblid auf die Beurteilung ihrer Urheber einen oft übermäßigen
und einſeitigen Wert beigelegt. Die Zahl der Zehler in den ſchriftlic)en Klaſſenarbeiten
hat viele Jahrzehnte hindur das Urteil der Lehrer über die Leiſtungsfähigkeit ihrer
Schüler vornehmlid) beeinflußt. Aber man hat ſich troß dieſer Wertſchäßung negativer
Leiſtungen nicht veranlaßt geſehen, ihrem ſeeliſchen Urſprung mit den Mitteln wiſſen-
ſchaftlicher Sorſchung nachzugehen und ſich nac) der Möglichkeit einer ſyſtematiſchen
Bekämpfung des Falſchen zu fragen. Die Stellung des Lehrers den Sehlern ſeiner Zög-
linge gegenüber war eine vorwiegend gefühlsmäßige und richterhafte. Hat man ſid)
do Ceiſtungsfehler zu beſtrafen, ja körperlich) zu züchtigen, eine Anſchauung, die bis tief
ins 19. Jahrhundert hinein theoretiſc) und bis zur Gegenwart allzuoft aud) praktiſch
vertreten wurde.
Eine Einſtellung in entgegengeſeßter Richtung iſt bei gewiſſen Schulreformern inner-
halb der lezten Jahrzehnte zutage getreten. Männer wie Ludwig Gurlitt, Otto Anthes,
auch die Volksſchulreformer Sqharrelmann, Gansberg u. a. haben ſich zum Teil heftig
gegen die bisher übliche Korrigierſucht und die dabei zum Ausdrud kommende Über-
ſchätzung des Salſchen gewandt. Die FSolge davon war, daß man vielfach in den ent-
gegengeſeßten Sehler verfiel und die negativen Leiſtungen der Schüler nun als etwas
ganz Nebenſähliches zu betrachten geneigt war. Dementſprechend macht man ſid) in
dieſen Ureiſen ebenfalls nicht allzuviel Gedanken über eine planmäßige und wirkſame
Sehlerbekämpfung. .
Zwei erfreuliche Wirkungen hat das Auftreten dieſer Schulreformer allerdings ge-
habt; man legt nunmehr das Hauptgewicht in der Beurteilung der Schülerleiſtung auf
die Beachtung der darin zutage tretenden poſitiven Werte, und man ſieht ein
Hauptmittel der Sehlerbekämpfung in der Aufgabe der FSehlerverhütung. Srei-
lic) macht man ſid) das Verhüten oft ſehr leicht. Man fordert, daß die Schüler das Recht
haben ſollen, in Zweifelsfällen den Lehrer um Rat zu fragen, und daß dieſer dann dem
Schüler das Richtige ſagen ſoll. Dieſe Art der Sehlerverhütung läßt ſich aber dod) nur
für die erſten Jahre des Schullebens rechtfertigen und auch hier nur bis zu einem ge-
wiſſen Grade. Wie ſollte ſonſt der Schüler lernen, auf eigenen Füßen zu ſtehen? Das
verlangt do das Leben unerbittlich von ihm, wenn er die Schule verlaſſen hat, und
darum hat die Schule die Pflicht, ihn bei Zeiten zur Selbſtändigkeit zu erziehen.

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