202 Sexualpädagogik für Mädchen

durcheinander, einig nur in der Negation. Ain der ZSorm wird gerüttelt, wie an allen
Sormen überhaupt.
lus dieſer Lage, wie ſie hier kurz angedeutet wurde, muß die Beſinnung auf ſexual-
pädagogiſche Sragen erwachſen. Weiter iſt alle Pädagogik zu orientieren an der Eigen-
art der Menſchen, auf die ſie wirken ſoll. Cs iſt nicht der Platz für eine Kinder- und Jugend-
pſychologie, und nur wenige Striche können die kindlicje und die jugendliche Haltung
in dem hier behandelten Gebiet ſtreifen.
Cs iſt das Verdienſt von Sreud, den Blid auf die Srühformen der kindlichen und jugend-
lichen Sexualität gelenkt zu haben. Sreilid) ſind ſeine Urteile und Erfahrungen zum großen
Teil vom Standpunkt des „Nachher“ und der biologiſchen und pſychologiſchen Deutung
der „Liſt der Natur" her genommen. Beides iſt für die Pädagogif von größtem Wert
und richtet vor allem eindringlichſte Warnungstafeln auf, dieſes Gebiet ja nicht zu leicht
zu nehmen. Aber unmittelbaren Ertrag liefern die Erkenntniſſe nur wenig für die Päd-
agogik. Denn der Pädagoge hat eben nicht den fixierten Infantilismus zu behandeln,
ſondern das Uind mit ſeinen kindlichen Gedanken und ſeiner kindlichen Lebendigkeit,
die unter keinen Umſtänden Sexualität oder Libido genannt werden kann oder pädagogiſd)
als ſolche zu ſehen iſt. Dielmehr müſſen wir trotz Sreud erſt beginnen, die Pſychologie
der kindlichen und jugendlichen Sexualität zu erkennen. Vielleicht wiſſen wir jetzt beſſer,
was ſie meinen; aber wie ſie es meinen, ihre eigene pſychologiſche Haltung, bei der
allein der Pädagoge einſetzen kann, das iſt uns durd) die neuen Erkenntniſſe nur ver-
dunkelt worden. Id) bin ganz der Anſicht von Prof. Hh., daß man in der Sexualpäd-
agogik am allerwenigſten verſtanden hat und verſteht „vom Uinde her" zu denken und zu
handeln.
Außerdem muß man bedenken, daß die Neigungen heute auf einen beſonders geſtimmten
Reſonanzboden treffen. War bis vor kurzem das Unverſtanden- und Verkanntſein nicht
nur ein pſychologiſcher Aggregatzuſtand der Jugendlichen, ſondern beruhte es teilweiſe
aud in der tatſächlichen Haltung der Erwachſenen, ſo hat ſic) die Lage heute völlig verändert.
Der Jugendliche ſteht im Mittelpunkt des allgemeinen Intereſſes, -- für die ganz Geſunden
unter ihnen bis zur Unerträglichkeit. Mehr nod; das Leben, wenigſtens der Teil, der
an die laute Öffentlichkeit kommt, gibt gerade dem jungen Menſchen die überall ent-
ſcheidende Bedeutung. Dergnügungen und Schauſtellungen aller Art, Reklame und
Werbetechnik des kaufmänniſchen Lebens ſcheinen nur nod) mit jugendlichen Kunden
zu rechnen. Die wichtigſten Lebensfragen werden von ihrem Geſichtswinkel aus geſehen
(typiſch die Debatte über die Kameradſchaftsehe u. ä.).
Die Königin der Mode und des heutigen Schönheitsideals iſt das Mäddyen von 17 Jahren.
Sür unſer vorliegendes Problem iſt das von höchſter Bedeutung. Dabei liegt der Ton nicht
auf der Zahl an ſich, ſondern darauf, was man von ihr erwartet. Vor zwei Menſchen-
altern noh ſah man in der 17 jährigen die Anmut der eben gereiften, mütterlichen Jung-
frau, am lieblichſten als Mittelpunkt ihrer verantwortungsvollen Aufgaben -- das ewige
Symbol der jugendliczen Madonna mit dem Kinde, Heute meint man das unfertige
Mädchen, faſt no Kind, reizvoll gerade als Zwitterweſen, wohl ſexuell gereift, bei einem
Mangel an innerem Einklang, Mangel an Reife der Perſönlichkeit, dem eine hochgradige
naive Sicherheit der Ditalität entſpricht. Der Typ des „ſlapper“ iſt ein gewiſſer Höchſt-
ausdrud dieſes modernen Mädc kurrenzfähigkeit an ihm gemeſſen wird. Die Erwachſenenwelt huldigt, und das Mädchen
ſpielt ſich willig hinein in die ihm dargebotene Rolle. Die jetzige Jugend dringt nicht nur

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