Das Spiel
I
D“* Spiel iſt eines der Geſchenke an die Menſchheit, die ihr die Laſt des Lebens
ertragen helfen. Cs iſt ein Quell ihrer Beglü>ung und irdiſchen Seligkeit. Die
Kindheit iſt faſt ganz davon ausgefüllt, aber aud der Erwachſene hat nod Anteil daran:
in vielfachen Sormen unterbricht das Spiel wohltuend die ſtrengere Lebensführung,
die man Wirken und Arbeiten nennt. Cs iſt alſo zunächſt eine zeitlich begrenzte Form
der geiſtigen Entwidlung des Kindes, bleibt dann aber im ſpätern Aufbau des Lebens
ein ſinnvolles Moment, das fulturelle Bedeutung hat.
Das Spielen iſt nicht die Betätigung einer iſolierten geiſtigen oder ſeeliſchen Uraft,
die wir neben die Triebe und Inſtinkte oder neben die geiſtigen Funktionen wie Fühlen
und Denken ſtellen können, ſondern die Möglichkeit zu ſpielen geht dur die ganze
Breite unſerer Exiſtenz. Es iſt eine Weiſe des Ausdruds und der Betätigung, die alle
unſere Kräfte benutzen können; von jedem Punkt unſeres ſo komplizierten körperlich-
ſeeliſch-geiſtigen Seins aus können wir zum Spiel kommen. Hinter dem Spiel ſteht
eine beſondere geiſtige Haltung, deren Inhalt man deutlid) maden kann,
wenn man das innere Erlebnis des Spiels beſchreibt. Um dieſes zu erfaſſen, hebt man
es meiſtens ab gegen das Erlebnis der Arbeit und beſtimmt es dann negativ. Damit
erreicht man ſchon etwas, nur nicht genug; denn die Begriffe Arbeit und Spiel ſind
im Umfang nicht gleich groß. Vieles was nicht Spiel iſt, iſt darum no nicht Arbeit;
deshalb muß man oft das wenig ſc/öne Wort Ernſtbetätigung als Gegenſatz zu Spiel
gebrauchen.
Bei der Urbeit erleben wir zunächſt die kontinuierliche Bindung an ein Ziel, an das
Werk, das geſchaffen werden ſoll. Dieſe Verpflichtung iſt ſo ſtark, daß ſie eigentlid)
nie losläßt und im Verborgenem weiter wirkt, wenn ſie aud) mandymal aus dem hellen
Bewußtſein ſchwindet. Oft wird dieſe Uontinuität als läſtiger Drud empfunden, der
müde und ſtumpf macht; anderſeits trägt ſie auc über viel Unſicherheit und augen-
blikliche Unluſt hinweg und erſpart einen jedesmal neu einſezenden Willensentſchluß.
Solange jemand eine ſol verzweiſeln, denn ſeine Arbeit wartet auf ihn wie etwas ganz Selbſtverſtändliches.
Das führt zu dem zweiten Moment des Arbeitserlebniſſes, das am beglüdendſten iſt:
daß der Arbeitende das Bewußtſein hat, dieſe Arbeit brauche gerade ihn, ſie könne
von niemand anderem ſo erledigt werden. Es gibt wohl keine tiefere Rechtfertigung
des eignen Daſeins als dieſen Glauben an die eigne ſachliche Aufgabe. Das Glüd einer
ſjolcen echten Berufung wird nicht oft zuteil, vollends nicht bei unſerer heutigen Ge-
jellſc keit bei dieſem Werk, das man tut, zu dem Crlebnis jeder Arbeit. Cs genügt nun nicht,
daß der Arbeitende allein dieſen Glauben hat; ſein Werk verlangt allgemeine Aner-
fennung. Das ſchließt das dritte Merkmal der Arbeitshaltung ein: die Bindung an
die Grenzen der Realität. I< kann bei der Arbeit nicht über die Wirklichkeit hinaus;
die gute Idee allein nüßt hier nichts, ſie muß auch durchführbar ſein, und das Ergebnis

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