Entwicklung,
Aufgabe und Aufbau der Berufserziehung
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D" „urſprünglichen“ Gemeinſchaften, ſoweit wir ſie nad) den Anhaltspuntkten prä“
hiſtoriſcher Quellen, nad) Analogien mit den Zuſtänden niedrigſtehender Naturvölker
in geſchichtlicher Zeit und dem Vorbild untermenſchliczer Lebensverbände erkennen
können oder rekonſtruieren dürfen, iſt der Beruf, wie er ſpäteren Zeiten geläufig
wird und die heutigen Wirtſchaftsformen beherrſcht, fremd geweſen. Mit der ſcharfen,
arbeitsteiligen Abgrenzung der einzelnen Tätigkeitsgebiete voneinander fehlte auc die
lebenslängliche Ausſchließlichkeit der Übung nur einer Tätigkeit dur) einen Menſchen,
die Verſchiedenheit der Vorbildung, der politiſch-ſozialen Einflußgröße und des mit
dem Ertrag der Arbeit zuſammenhängenden Beſitzes oder Erwerbes. In Gemein-
ſchaſten, die weſentlich) auf verwandſchaftlichen Beziehungen aufgebaut, andere Diſffe-
renzierungen als die nah den natürlidyen Unterſchieden des Alters und Geſchlechts nicht
kennen, deren Wirtſchaft ſic) über die Stufe der unmittelbaren Bedürfnisbeſriedigung
durch die niedrigſten 5ormen der Nahrungsſuche nicht erhebt, ſehlt der Anlaß zu dem
Gedanken, daß ein beſtimmter Menſd) eine und nur eine Tätigkeit ſein Leben lang aus-
übe, zu immer größerer Dollendung bringe, ſie allen anderen Gemeinſchaftsgliedern,
die ihrer oder ihres Reſultates bedürfen, zu Dienſten ſtelle und dafür im Wechſeltauſd)
von den ebenſo ſpezifizierten Leiſtungen aller anderen Nußen ziehe. Es kann aud) kaum
der Gedanke entſtehen, daß eine Verſc Abgrenzung ſpezifiſcher Aufgaben- und Leiſtungsbereiche im Intereſſe des Einzelnen wie
des ſozialen Syſtems wünſchenswert und ergiebiger mache. Auf der Stufe der lediglid)
aneignenden Sammelwirtſchaft, in der Pflanze und Wildſrucht die rohen Uahrungs-
mittel, höhlen und Blattdächer die von der Natur gegebenen Wohnſtätten, Rinden und
Pflanzenwedel die Kleidung waren, aber auch nod) in der Zeit des techniſch ſchon fort-
geſchrittenen Siſch- und Tierfangs und der Jagd gab es nicht „Berufe“, damit aber
aud) nicht den Beruf als Idee. Selbſt in der Weidewirtſchaft des Landnomadentums und
im hhakbau der erſten Seßhaftigkeit iſt -- troß einer größeren Mannigfaltigkeit der
Tätigleiten, die der Cinzelne lernen und üben muß, um leben zu können -- noh kaum
von Berufen zu reden, höchſtens von einem Beruf, dem Beruf ebender Wirtſchaftsſtufe
oder mit einem Wort von Adam Smith: dem Stammesberuf. Das will ſagen, daß jedes
erwachſene und vollwertige Glied des Stammes oder der Horde, mindeſtens jeder er-
wachſene Mann, die gleichen Tätigkeiten lernen und üben mußte wie jeder andere,
daß jeder alles können mußte, was der Stamm auf ſeiner jeweiligen Stufe im Dienſt
von Lebensfriſtung und Lebensſicherung ſein eigen nannte, Wie das tieriſche, war auc
das menſchliche Leben eine Einheit von Sunktionen und Tätigkeiten, die ſi) no nicht
voneinander losgelöſt und auf Gruppen verteilt hatten, aud) wenn der menſchliche
Lebensbeſitz über die Höhenlage tieriſcher Inſtinkte ſchon hinausgediehen war und dur)
eine Tradition erhalten werden mußte.
Sehlt in der Phaſe des Stammesberufs die dauernde Differenzierung der Leiſtungs-
gebiete, eine durc

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