Full text: Sittliches Erziehungs-Lexicon, oder Erfahrungen und geprüfte Anweisungen: wie Kinder von hohen und mittlern Stande, zu guten Gesinnungen und zu wohlanständigen Sitten können angeführet werden

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NBbbitten. 
[558 iſt in der Erziehungs: Kunſt ein ſehr ſ<äblicher 
Fehler , wenn man Kinder unmittelbar nach 
empfangener Strafe mit Gewalt nöthiget, eine Ab- 
bicte zu thut. Das Gemüuth 1ſt gemeiniglich zu der 
Zeit nod) im Aufruhr 3 es ſiehet ſein begangenes Un- 
recht und ſeine Strafwürdigkeit nsch nicht in dem 
ruhigen und überzeugenden Lichte, welches nöthig 
iſt, wenn das Kind die Billigkeit der Züchtigung 
einſehen und ſich) ſittlich verpflichtet halten foll , um 
Bergebung zu bitten. 
Biel beſſer iſt es, wenn man vor und nach em- 
pfangener Strafe alsdenn dem kleinen Verbrecher 
ſein Unrecht mit Ernſt und Liebe deutlich zeiget, 
wenn das Gemürbh wieder ruhig und Der 
Fleine Veritand fäbiet iſt, die Rechtmäſ? 
ſigkeit der Züchtigung zu erkennen, 
Denn zwinget man Kinder wieder ihre innere 
Ueberzeugung zur Abbitte, ſo legt man den Grund 
zu einem falſchen tückiſchen Gemüthscharacter. 
- Jt aber dem jungen Verbrecher ſein begangenes-. 
Unrecht mit der Deutlichkeit und Sanftmuth ſo 
Überzeugend gewieſen, Daß man gewiß weiß, er habe 
es erfarnnt und willaus Eigenſint nicht die verlangte 
Abbitte thun, ſo muß dieſer Eigenſinn gebrochen 
werden. Wenn fo weit müſſen vernünftige und 
ſictlich erzogene Kinder kommen , daß ihr Herz em- 
pfindet und ihr Mund bekernet : ſie haben Unrecht 
gethan, ihre Eltern oder tehrer zu betrüben, Aber 
| | | - freilich
	        

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