Full text: Sittliches Erziehungs-Lexicon, oder Erfahrungen und geprüfte Anweisungen: wie Kinder von hohen und mittlern Stande, zu guten Gesinnungen und zu wohlanständigen Sitten können angeführet werden

Weltkänntniß. 330 
Verführungen möglichſt verwabret wers 
dea. Dieſes iſt der wichtige Lehrſaß, welchen alle 
Erziehungs-Bücher vortragen. Da ich aber keine 
genugthuende Anweiſung über dieſen erheblichen 
Punct geleſen babe, fo will ich erzählten, was einer 
meiner Freunde zur Erreichung dieſes Zweckes mit 
glüflichem Erfolg gethan hat, 
1) Er ſagte zu ſich ſelbſt : viel junge Leute macl: en 
ſich lächerlidd) oder unglücflich, wenn ſie bey ſo viel 
Giedächtniß - Wiſſenſchaften, in der Känntniß dex 
Welt unerfahren ſind. Es 1ſt alſo ſehr erbebs 
lich, ibnen die Geſinnungen und t]laxis 
men der Lk] 5enſchen fennen zu lehren, des 
ren Achtung und Liede ſie ſich erwerben, 
nd zu deren Dienſt ſie geſchickt gemacht 
werden ſollen, 
2) Schon im 4ten Jahr fing er an, ſeinen kleinen 
Züchling aufmerkſam zu machen, auf das Gute und 
Böſe, welches ſeine Spielgeſellſchafter tharen. Schon 
in dieſem Jahre lehrte er ihm den Unterſchied 
zwiſchen aufrichtigen und failſchen liens 
ſchen bey folgender Gelegenheit kennen: Es hatte 
der kleine Liebling einen Beſuch von zwey fünfjährigen 
Knaben, welche beyde den Ruhm einer vorzüglichen 
Artigkeit harten. Sie waren beyde ſehr freundlich 
Hegen ihnz und er hatte ſie gleich lieb. Der Vae- 
ter aber, welcher Zeuge dieſes Beſuches war, merk» 
te, daß der eine aufrichkig und artig, der andere 
aber artig und falſch war. Denn -der leß:e machte 
allerley Betrügereyenz; und als 'er ein Glas zerbros 
ben
	        

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