Full text: Das Jugendgericht in Plauen i. Vgtl.

 
 
Das Jugendgericht. 13 
nenten des Stadtrats, dem Herrn Polizeidirektor und einem Vertreter 
der Staatsanwaltschaft besuchten Sitzung am 28. November 1908 sind 
die Grundlagen für das einzuschlagende Vorverfahren festgestellt 
worden. 
Darnach werden die Jugendsachen zunächst von besonders damit 
betrauten und dazu geeigneten, erfahrenen und älteren, nicht uni- 
formierten Kriminalschutzleuten behandelt. Die notwendigen Ab- 
hörungen Jugendlicher erfolgen unter Trennung von Erwachsenen in 
der -Hauptwache. 
Jede von diesen Beamten in Form eines Berichtes — ohne 
protokollarische Vernehmungen — verfaßte Polizeianzeige gelangt vom 
Polizeiamt in 3 verschiedenen Durchschlägen an das Schulamt. zur 
Weitergabe an die betreffende Schule, an das Gemeindewaisenratsamt 
(mit dem das Armenamt und das neu gegründete Fürsorgeamt ver- 
bunden ist) und an den Verein für Jugendfürsorge.?) 
Von diesen Stellen werden nach ein für allemal festgelegtem 
Schema?) dessen Fragen in mehr oder weniger freier Weise beant- 
wortet, die einschlagenden etwa vorhandenen Akten — z. B. die meist 
höchst wichtigen Armenakten und früheren Polizeiakten — beigelegt 
und die Auskünfte mit den Akten an das Polizeiamt zurückgesandt. 
Dieses übersendet dann das ganze Material mit der Polizeianzeige an 
die Staatsanwaltschaft. 
Wird dadurch auch die letztere später als sonst in Besitz der 
Polizeianzeige gesetzt, so ist mit diesem Verfahren doch der Vorteil 
verbunden, daß die Staatsanwaltschaft und der unmittelbar darauf 
durch Aktenvorlegung in Kenntnis gesetzte Jugendrichter alsbald ein 
einigermaßen vollständiges Bild nicht nur von der Straftat, sondern 
auch von der Persönlichkeit des Täters und den ihn umgebenden 
Verhältnissen erhält, damit klare Maße für die Weiterbehandlung 
der Sache gewinnt und nun nicht, wie seinerseits, erst mit dem 
Absenden von Fragebogen beginnen muß. Die Auskünfte ent- 
halten auch alles das, was später etwa die Grundlage für die Be- 
willigung einer Bewährungsfrist bildet, so daß auch für diesen Zweck 
die Absendung von besonderen Fragebogen unterbleiben kann. Selbst- 
verständlich ist bei Haft- und sonstigen eiligen Sachen dieser Weg 
ausgeschlossen. Dann wird die Anzeige wie sonst, ohne den Eingang 
der Auskünfte abzuwarten, sofort an die Staatsanwaltschaft abgegeben. 
1) Diese Durchschläge werden an den betreffenden Stellen zurückbehalten und 
ersparen die Anfertigung von Auszügen. Einen weiteren Durchschlag erhält auch 
der Jugendrichter für die von ihm anzulegenden Fürsorgeakten. 
2) Vergl. die Anlagen B und C (8. 26). 
 
® 
——e a ‚ Pr Ta rg 

	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.