Full text: Das Jugendgericht in Plauen i. Vgtl.

 
 
14 Das Jugendgericht. 
Die Weiterbehandlung geschieht dort in der üblichen Weise: nur 
erfolgt einer neuen Ministerial- Verordnung gemäß in allen später 
vom Jugendrichter abzuurteilenden Sachen durch ihn die erste Ver- 
nehmung des Beschuldigten. Darauf pflege ich mich in der Regel 
zu beschränken. Eine weitere »Erörterung des Tatbestands«, auch 
wenn das Ersuchen darauf gerichtet ist, halte ich für nicht ganz ver- 
einbar mit dem Wortlaute und dem Sinne der geltenden Stra£fprozeß- 
ordnung, nach der das vorbereitende Verfahren eben Sache der Staats- 
anwaltschaft ist, die nur in einzelnen Fällen sich der Hilfe des Amts- 
richters bedienen darf. Würde der I ugendrichter die Erörterungen 
selbständig bis zum Schluß führen, so würde seine von der Straf- 
prozeßordnung erforderte Unbefangenheit der Anklage gegenüber aufs 
ernsteste in Frage gestellt werden, und dann würde auch die Tätig- 
keit der Staatsanwaltschaft in diesen Sachen auf eine rein formelle, 
ihrer Bedeutung nicht entsprechende Stufe herabgedrückt werden. 
Ausnahmen sind natürlich dann gegeben, wenn beispielsweise für 
die Entschließung über Verhaftung oder Haftentlassung Angaben des 
Beschuldigten eilig nachgeprüft werden müssen, die Frage nach der 
Strafbarkeitseinsicht Schwierigkeiten macht und in ähnlichen Fällen. 
Über die Strafbarkeitseinsicht vermerke ich in Zweifelfällen meine 
Meinung in der Regel bei der Übersendung. 
Die Vernehmung des Beschuldigten durch den Jugendrichter ist 
für das ganze einzuschlagende — auch vormundschaftsrichterliche — 
Verfahren von größter Bedeutung. Sie bildet den Schwerpunkt des 
Vorverfahrens, und die Haltung des Beschuldigten dabei ist für die 
künftigen Entschließungen wesentlich bestimmend. 
Die Hauptverhandlung unterscheidet sich von der sonst 
üblichen Form nur wenig; wir sind ja an die bestehende Strafprozeß- 
ordnung gebunden. Immerhin hat die Öffentlichkeit dadurch be- 
schränkt werden können, daß über die Jugend-Sachen, allemal 7 
bis 8 Sachen, an besonderen Jugendgerichtstagen in einem sonst 
nur selten benutzten und dem großen Publikum nicht bekannten 
Saale verhandelt wird; auch ist mit Erfolg auf die Presse hin- 
gewirkt worden, daß keine Berichte oder wenigstens keine solchen 
mit Namensnennung darüber gebracht werden. Auch von der Ver- 
weisung auf die Anklagebank sehe ich fast immer ab. Auf diese 
Weise wird den jugendlichen Missetätern alles unnötig Beschämende 
erspart, aber auch das, was in ihnen den Eindruck erwecken könnte 
eine Rolle zu spielen. 
Ohne Talar zu verhandeln, habe ich bisher vermieden, ebenso, 
die Verhandlung etwa in meinem Arbeitszimmer stattfinden zu lassen. 
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