Full text: Das Jugendgericht in Plauen i. Vgtl.

 
 
L 
Das Jugendgericht. 
Von F. Schmidt. 
Obgleich das eigentlich unmodern geworden ist, möchte ich doch 
mit einer kleinen captatio benevolentiae beginnen, nämlich der Er- 
klärung, warum gerade ich als einer der jüngsten mit dieser Materie 
Befaßten in diesem Kreise, in dem sich viel berufenere dazu be- 
finden, mich unterfange über das Jugendgericht zu sprechen. In- 
dessen die ganze Angelegenheit ist noch im Fluß, naturgemäß 
konnten allenthalben nur tastende Versuche gemacht werden, so daß 
von einer Gewinnung allgemein gültiger Regeln vorerst kaum ge- 
sprochen werden kann. Und auch auf absehbare Zeit hinaus wird 
davon nicht die Rede sein können, weil mit der Einführung der 
Strafprozeßnovelle und dann des neuen Strafgesetzbuches wieder den 
Richtern neue Aufgaben zu lösen gegeben werden, so daß zu einer 
ruhigen Entwicklung auf fester Grundlage zunächst keine Gelegenheit 
geboten sein wird. 
Wir müssen uns damit abfinden und jeder an seinem Teile Er- 
fahrungen sammeln und diese mit anderen austauschen und dabei 
lernen und der neuen Gesetzgebung den Weg bereiten. 
Diese Erfahrungen werden natürlich ganz verschieden sein, je 
nach dem Menschen, der sie einholt, nach dem Menschenschlag, unter 
dem er lebt, und sonstigen örtlichen Verhältnissen. 
Als solche Einzelerfahrungen, Bausteine für das Gebäude, aber 
unmaßgeblich für den Bau bitte ich die nachfolgenden Erörterungen 
anzusehen. Sie sind vielleicht um deswillen schon wertvoll, weil es 
hier im Vogtlande sich um eine kriminell schwierige Bevölkerung 
handelt, die nach den bis zum Jahre 1907 reichenden Statistiken mit 
dem Jahresdurchschnitt der Verurteilten alle anderen Gebiete Sachsens 

	        

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