Full text: Die Ausbildung der höheren Lehrer an der Universität

 
 
Die Bedingungen hierfür liegen in den einzelnen 
Fachgebieten sehr verschieden. Die Mathematik ist trotz 
Spengler am meisten indifferent gegen die Besonderheit 
einer Kulturlage. Die Naturwissenschaften weisen. von 
selbst in wirtschaftliche, technische, rechtliche und 
politische Zusammenhänge hinüber. Vorlesungen über 
diese Beziehungen sollten in Zukunft mehr gepflegt 
werden. Leiter großer Institute werden freilich hierzu 
keine Zeit finden. Die -Geschichtswissenschaften im 
weitesten Sinne haben sich über die bloß philologische 
Erörterung der Quellen im allgemeinen heute längst er- 
hoben, obwohl dieses Fundament nie ganz entbehrt 
werden kann. Philologie aller Zweige muß natürlich 
zunächst als Philologie der Sprachen und Texte ge- 
trieben werden, bietet aber allenthalben Gelegenheit, 
schon im Sprachlichen und Literarischen die Spiegelung 
kultureller Verhältnisse nachzuweisen. Allgemein wird 
mit Recht gefordert, daß die Analyse literarischer Denk- 
mäler nicht bloß beim Sprachlichen, beim Text, bei 
der Entstehungs- und Stoffgeschichte stehen bleibe, son- 
dern auch in den Geist des Inhalts hineinführe, Ästhe- 
tisches ästhetisch bewerte und das Ganze in den histo- 
rischen Gesamtgang geistesgeschichtlich hineinstelle. 
Eine höhere Psychologie des Verstehens ist als Methode 
der Interpretation und Einordnung allenthalben unent- 
behrlich. Sofern hier die Gefahr ungründlicher Schön- 
geisterei vermieden wird, deren Folge immer ist, daß 
man nichts lernt, wird die Philologie, die Werner Jaeger 
weitgehend als die Beschäftigung mit den unvergäng- 
ar 29 

	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.