Full text: Die Kolonieen Brandenburg-Preussens an der Westküste von Afrika 1681-1721

 
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Die Folgezeit erwies, dab der Marinebireftor recht hatte “Denn England 
und die Niederlande nahmen e8 mit der Angelegenheit gar nicht ernit, und Spanien 
dachte ebenjomwenig daran, die Subfidiengelder zu bezahlen. Unfähig, fi an dem 
Kurfürften zu rächen, erging fi König Carl in gehäffigen Reben gegen venfelben. 
Seht Fakte Friedrich. Wilhelm entfchievene Entfhlüffe. In der zweiten Hälfte des 
Monats Februar 1681 wurde Raule wieder nach Berlin berufen, um bie aufge 
Tchobenen Maßregeln nunmehr in Ausführung zu bringen. 
Er hatte. ich gunächft eines außerordentlichen Gnabenermweifes zu erfreuen. 
Denn unterm 20. Februar ernannte ihn der Kurfürft „in gnädiger Erwägung der 
treuen und nüglichen Dienfte, welche ihm fein Rat und Ober-Schiff3-Directeur zu 
Kriegs- und Friedenzzeiten unterthänigit geleiftet und deren er noch mehr von ihm 
gemärtig fei, auch damit er bei jeinem unterhabenden Seenolfe defto mehr Autorität 
haben möge” zum „General-Direeteur de Marine“ mit dem „Range eines 
Dberften: vor dem General-Aubditeur”*). Cinige Wochen jpäter, am 19. März, 
fam zwifchen Raule und dem Kurfürften ein neuer Vertrag zu Stande, nach welchem 
erfterer auf feine Rechnung und Gefahr, lediglich für ein Drittel des Prifengewinng 
an der flämifchen Küfte drei Schnauen gegen Spanien Treugen laffen folltee Zur 
gleichen Zeit follte in Ausführung des früheren Vertrages Kapitän Lacher mit 
feinen Fregatten ausjegeln. Sa, e8 wurde unterm 28. März ein weiterer Kontraft 
aufgeitellt, dem gemäß ein neuzubildendes Gefchwader von drei Fregatten und 
einem Proviantfchiffe Tpäteftens am 1. Nuguft: auf zwölf volle Monate in Dienft 
zu treten. hatte. 
Der General-Marinedireftor hatte mehr denn je zu thun, verjprad) fi) pon 
den Erpeditionen große Erfolge und konnte die Zeit gar nicht erwarten, mo die 
neuausgerüfteten Schiffe Pillau würden verlaffen fünnen. 
Auf dem Frifhen Haff — Thrieb er am 8. April aus Königsberg — ift e3 
no, wie in Grönland; man fann noch fein Wafjer fehen. Am 20. April aber 
fonnte Kapitän Qacher endlich Pillau verlaffen, und folgenden Tages fchrieb Raule 
fröhlichen Mutes .an feinen Gebieter aus Danzig: 
Sch »verhoffe Brifen zu machen, daß die Spanier in Kurzem befjer follen 
Iprechen lernen! : 
Leider Tollten ji diefe Erwartungen nicht recht erfüllen Was das Ge- 
Ihmader Lacher? anlangt, jo fann man mohl jagen, daß e2: fich einigermaßen 
wirffam eriieg. Nachdem es in fehneller Fahrt Ditfee und Nordfee durchfegelt 
hatte, erjchten e8 an der Kifte der fpanifchen Niederlande und Freuzte por Dftenve 
und den Scheldemündungen. Bald erhoben die Generalftaaten heftige Klagen 
darüber, daß Lacher den ganzen Handel ftöre. Er Hielte alle Schiffe an, vifitiere fie 
und bewirkte dadurch, daf fein Schiff mehr die flämifchen Häfen anlaufen oder ver= 
laffen tolle. Webelmollende Stimmen behaupteten fogar, dab er die neutrale 
dlagge der Niederländer nicht verichone, indem er deren Fahrzeuge gleichfalls an- 
halte und von ihnen „Rancon-Gelder“ erhöbe. Der Kurfürft forverte darüber 
Bericht ein, worauf fi Lacher entfchteven gegen den ihm von den Generalftaaten 
gemachten Vorwurf verwahrte, Troßbem erhielt er noch. befondere Anmeifung, 
fich jeder Beläftigung der hollänbifchen Schiffe zu enthalten. 
*) Die Beftallung datiert vom 0. Februar 1680, vgl. Schü a. a. ©. IL, Nr. 50. 
 
 

	        

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