Full text: Die Kolonieen Brandenburg-Preussens an der Westküste von Afrika 1681-1721

 
 
 
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ten uns ben Tod jener drei Häuptlinge und berichteten, daß nächften Tages ein Teil 
der geflüchteten Einwohner zurüdzufehren gebächte. Wiermohl dies nicht zutraf, 
beichloß ich nach einer Beratung mit den Kapitänen und Yngenieuren mieberholt, 
auf dem Berge Pofto zu faffen. Den zufammengerufenen Mannfchaften wurde 
dies mitgeteilt, worauf fich alfe erboten, freitoilfig alda in Garnifon bleiben 
zu wollen. Alfo zogen wir nach Löfung von fünf Stücden mit Pauken und Schal- 
meien and Land und erfuhren bei unfrer Ankunft, daß zwei Kapizciers auf dem Berge 
wären, worauf ich mit fliegender Fahne und Paufen und Schalmeien mich zu ihnen 
hinaufbegeben, da fie mir entgegengefommen und mich in eine alte Hütte gebeten. 
Allda habe ich ihnen mein Vornehmen zu verftehen gegeben und fie mit wenig Wor=- 
ten zu meinem Willen gebracht. Noch felbigen Tages habe ich jech3 dreipfündige 
Stüde durch einen engen Steig oben auf die Spike gezogen und geichleppet, fo ohne 
der Eingeborenen Hülfe unmöglich hätte gefhehen fünnen, da der Berg 
zu hoch und der Weg zu rauh mar; auch Tieß ih mir noch felbigen 
Tages aus einem Schiffsfegel ein Zelt auffchlagen und blieb darunter iiber Nacht. 
Den folgenden Tag, melches der erfte Sanuarii Anno 1683 mar, brachte 
Kapitän Voß die große furfürftlich brandenburgifhe Flagge vom Schiffe, die ich 
mit Baufen und Schalmeien aufrolite, mit allen im Gewehr ftehenden Soldaten 
empfing und an einem hohen laggenftod aufziehen Kieß, worauf mit fünf jcharf 
geladenen Stüden das neue Jahr begrüßt wurde, denen jedes Schiff mit fünf 
Schüffen geantwortet, und ich wieder mit drei Schüffen gevanfet. Und meil Eurer 
turfürftlichen Durhlaudt Name in aller Welt groß ift, alfo nennete ich auch den 
Berg den „Oroßen Friedrichg-Berg” . . . 
€3 it und eine Genugthuung, — bemerkte der Herrfeger — daß fich wadere 
Männer in unferen Dienften befinden, melche darauf Bedacht nehmen, unfern 
Namen in der Welt zur Geltung zu Bringen. Dadurch) wächlt auch das Anfehen 
unfer3 Staates und die Wohlfahrt unfers Volfes, denen wir unter Gottes Hilfe 
unfer Leben nicht ganz ohne Erfolg geweiht haben... . Aber fahret nur fort, Yieher 
Gröden, denn wir hören Euch gerne zu! 
GSogleich — berichtete der Major weiter — baueten fich die Soldaten ihre Ba- 
raden, und ich ließ durch die Neger auch für mich und meine Offiziere eine Yange 
Barade aufrichten. Sndefjen rief ich meine Dffiziere und die zwei Kabisciers zu 
mir in3 Zelt, gab lebteren mein Vorhaben abermals zu verftehen und forderte fie 
auf, mich ihrer Treue durch einen Eid zu verfichern. Sie antmworteten, daß ich an 
ihrer Treue nicht mehr gmeifeln fönnte, fobald ich mit ihnen „Fetifch Taufen“ 
wollte, daß wir e3 gleichfall3 mit ihnen treu meinen, fie nie verlaffen und fie wider 
ihre yeinde verteidigen .würden. Hierauf, da ich eingemilligt, ward eine Schale mit 
Branntwein gefüllt und mit Schießpulver durchgerührt. Daraus mußte ich die 
unangenehme Gefundheit anfangen, die Kapizcier3 folgten mir nach und bejchmier- 
ten mit dem Refte den gemeinen Schwarzen die Zunge, damit fie auch getreu blei= 
ben möchten . . . 
Heiterkeit hatte fich der Anmwefenden bemächtigt, und der Kurfürft fagte lachend: 
Nun, die Bräuche find wohl verfchieden, und von diefen Wilden fan man 
nicht verlangen, daß fie fich manierlich, wie die Europäer benehmen! Wenn folche 
feltfame Ceremonie wirklich ihre Treue verbürgt, jo Jol’3 uns recht fein! 

	        

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