Full text: Die Kolonieen Brandenburg-Preussens an der Westküste von Afrika 1681-1721

 
 
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muß man denfen: da drinnen iftS öde und leer und jeglicher Inhalt mangelt. 
Doc ifts in Wahrheit ganz anders. Glaubft Du, daß der gnädige Herr, unfer 
Kurfürft, hier öfter norfprechen würd’, wenn fich’s in dem Hofe Raules nicht gut 
meilen ließe? 
Mademeiß jchüttelte das Haupt. 
Möglichermweife hat der Herr Kurfürft mit dem Marinedireftor bismeilen 
dringende Sachen zu befprechen und magt fich dann in biefen Hof auf einige 
Augenblide hinein . . . 
Ungmeifelhaft — lachte Mufäus — wird der Herrfcher in diefem Hofe auch der- 
gleichen Dinge zum Gefpräche bringen, aber deshalb wird’ er wohl nicht Kinein- 
gehen, da e3 ihm näher läg’, ven Raule zu fi) ins Schloß rufen zu laflen .. . 
Nein, nein, ich weiß, daß der gnädige Herr hier öfter ala Gaft des Marinediref- 
tor3 meilt und fich in dem Hofe recht wohl fühlen fol. Die Zimmer drinnen find 
nämlich auch ganz vornehm und behaglih . . . 
Bilt Du felbit fchon drin gewefen? — fragte Mademweif. 
Das ift mir noch nicht zu teil geworden, und e3 ift wohl fchiver, zugelaffen zu 
werben, doch hat mir ein deutfcher Diener des Haufe Fürzlich alles gefchildert: 
Wenn man diefe Sandfteinftufen hinauf und dur die Hausthür Hindurchge- 
Tritten tft, gelangt man in einen geräumigen Vorraum und fteigt eine ganz ein- 
fahe Treppe hinauf. Sobald aber eine Thür nah den Wohnräumen geöffnet 
wird, jo man von Erftaunen ergriffen werden: die Fußböden der eriten Etage find 
mit Shwarzen und weißen Marmorfliefen bebedt, die in prächtigem lange fchim- 
mern; die Wände find anmutig gefärbt und tragen mwertvolfe Bilder holländifcher 
Künftler; die Dede hat jehönen Stud in figurenreicher Geftaltung. Am herr- 
fichjten aber jo der große Saal fein, der nach der Spree zu liegt; er wird ala 
ein wahres Kunfjtwerf aus Marmor und Stud bezeichnet und fol mit fehönen Sef- 
jeln, Tifchen und Schmudfachen verfehen jein. Darin hat der Raule auch vielerlei 
Raritäten aufgebaut, welche durch feine Schiffe aus fernen Weltgegenden herbet- 
gebracht werden. Diejer Saal ift’3, in melchem der Herr Kurfürft mit einigen 
Herren feines Hofes bismweilen den General-Marinedireftor befuht ... . Und nun 
fiehft Du, daß diefes Haus der Perfon desfelben vergleichbar ift: Wenn man den 
Mann fo anfchaut in feiner unterfebten Geftalt und neuerlich auch mit etwas vorn= 
über geneigtem Haupte, wenn man vollends ihn jprechen hört in feinem häßlichen 
Hollandifch, jo meint man, in ihm ftede gar nichts, halt ihn höchitens für einen 
alten, untauglihen Matrofen, der nicht mehr zur See gehen Tann; — dennod) 
hat er erjt neuerdings wieder Bebeutendes mit feinen Schiffen erreicht, und wenn 
der gnädige Herr fo große Stüde auf ihn hält, jo wird er mohl feine triftigen 
Gründe dazu haben! 
Mag fein, — fagte Mademweiß — daß es nicht unrühmlich tft, wenn ein ge= 
biegener Kern, ein beveutendes Gut hinter unfcheinbarem Weußeren verborgen Tiegt! 
Aber deshalb mill ich’3 dem Herrn Eberhard von Danfelmann bei Leibe nicht zum 
Vormwurfe machen, daß er hier in der Nähe, an der (alten) Friebrichaftraße, ich 
einen Palaft erbaut hat, dem man fchon äußerlich die Wohnung einez vornehmen 
Mannes anmerft! 
Da haft Du auch recht; — beftätigte Mufäus — dem Herrn Geheimrat fieht 
man an feiner eblen, hohen Geftalt, an feinem ernten und doch Teutfeligen Wefen, 

	        

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