Full text: Die Kolonieen Brandenburg-Preussens an der Westküste von Afrika 1681-1721

 
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daß ernftliche Anftalten, demfelben zu helfen, gemacht werben jollten, hielt man 
in Kreifen, die wohl unterrichtet fein fonnten, nicht gerade für wahrfcheintich . . . 
Sp müffen mir ihm helfen! — rief Benjamin eifrig. 
Mieder hörte man die Hausthür gehen. E3 war der Schöffe Jean Beau- 
dancourt, ein Freund des Haufes, welcher noch zu diefer Tpäten Stunde vorfprad). 
Kennt Shr die treulofe Handlungsmweife der Schweden? — fragte er, jich Taum 
Zeit zur Begrüßung nehmend, die Brüder. 
Satoh hat Die traurige Kunde foeben aus dem Haag mitgebracht! — ermwiderte 
ernjten Antlites der Hauzherr. 
Welch Unglüd, daß dem armen Brandenburger nicht zu helfen ift! — fuhr der 
Shöffe fort. — Das jchmedifche Heer ift das befte in Europa und Handelt im 
Einverftändniffe mit ven Franzofen; der Kurfürft allein ift ihm hei weitem nicht ge= 
wachen; mir Niederländer haben genug zu thun, um ung felber der Franzofen zu 
erwwehren, und ver Kaifer mit Bournonpilles Scharen und den jämmerlichen Reich3= 
truppen fann überhaupt nicht in Betracht fommen . . . 
Benjamin Raule mar vor den Sprecher getreten; feine Blicfe zeugten von ent- 
ihloffener Thatkraft und fieghafter Zuverficht. 
Soeben fagte ich meinem Bruder, — fprad) er — daß wir, die freien Bürger 
von Seeland, dem treuen Freunde unfere3 Zandes helfen und Luft machen müffen! 
Noch hatte ich feinen beftimmten Plan, als ich jenes Wort fallen ließ, doch Tchnell ges 
nug tft er in meinem Geifte gereift: Wir müffen Shiffe ausrüften und bie 
Schweden auf dem Meere verfolgen! Der Kurfürft wird uns „Roms 
miffionspatente” ausftellen, daß mir unter brandenburgifcher Flagge auf die Segel 
der treulofen TFrievensbrecher Yagd machen können, ohne von den Generaljtaaten 
beeinträchtigt zu werben! ... Ich zmweifle nicht, Daß mein Bruder Jakob zur Be: 
teiligung bereit fein wird; Jean Beaudaneourt, willft au Du mitthun? 
Der Schöffe jehaute betroffen zu Benjamin hinüber. 
Gieb mir eine kurze Bedenkzeit; e8 fommt mir zu plößlich, zu unerwartet! 
Bedentzeit? Meinetiwegen! — rief jener — Doch nur bi5 morgen früh, 
denn al3dann reife ich nad) dem Haag, um mit den brandenburgifchen Gefandten 
Blaspeil und Romsmindel über Die Angelegenheit zu reben. Lieb fol mir’3 fein, wenn 
ich auch als Dein Beauftragter dort erfcheine! ... Vor allem aber, Freunde, laßt 
meinen Blan bis er zur vollen Ausführung gelangt, in der tiefiten Falte Eurer Herzen 
verborgen bleiben! 

	        

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