Full text: Die Kolonieen Brandenburg-Preussens an der Westküste von Afrika 1681-1721

 
er 
ER 
zer 
ung und Ausrüftung der furfürftlichen wie ber eigenen Schiffe zu verwenden hatte, 
gingen die ihm zugeficherten Summen aus der brandenburgifchen Staatstaffe nicht 
ein; meilt war er, wie wir willen, auf Alfignationen angemwiefen, welche im auf 
die Subfidiengelder der Generalftaaten ausgefertigt, aber nur zögernd oder gar nicht 
bezahlt wurden. Man fann es ihm nicht verbenfen, daß er fich über diefe feine 
mißliche Lage offen ausfprah, und der Kurfürft that für ihn dann fofort, was er 
irgend fonnte. Von dem Herricher wurde pollfommen anerkannt, daß der Marine- 
direftor Unfpruch auf Befrievigung habe. Da Sriebrich Wilhelm jedoch „bei mäh- 
cender diefer jehweren Campagne und da er eine fo große Urmee unterhalten mußte, 
die verfprochenen Gubfidien aber zurücdblieben, eine fo confiderable Summe nor der 
Hand nicht erlegen konnte”, jo trat er perföünlic für Raule ein, erklärte Durch 
öffentlichen Erlaß (vom 12, Auguft) deffen Släubigern, daß die Zahlungsver- 
fäumnis nicht aus Raules eigenem „Willen und Beriehulvden” herrühre, und 
übernahm insbefondere für des Schiffapireftors Verbindichfeiten bei den holländifchen 
Gläubigern die Bürgfhaft”). 
‚sn ben damaligen Unterredungen des Kurfürften mit Raule tauchte des leßteren 
fühner Borfchlag auf, Friedrich Wilhelm folle no vor Abfchluß des ziwifchen 
Srankreih und den Niederlanden geplanten Kommerzientraftates auch gegen Die 
Srangofen Kaperfchiffe entfenden und damit eine Erpebition gegen Spanien ver- 
Binden, melches ficherlich durch Wegnahme eines größeren Schiffes zur Bezahlung der 
fälligen Subftdien bewogen werden würde. Durch folhe That — fügte der Marine= 
direftor mit Nachdrud hinzu — würden nicht nur die Spanier, fondern die ganze 
Welt über Die Bedeutung der brandenburgifchen Seemacht belehrt, und Franzofen, 
Schweden und Holländer veranlaßt werden, mit dem Kurfürften Handelsper- 
träge abzufchliegen. 
Wenn nun aud für ein folches Unternehmen damals, wo die Beziwingung 
Stettins im Vordergrunde des ganzen Krieges ftand und alle Kräfte aufs äußerfte 
anjpannte, fein Raum blieb, fo gab Friedrich Wilhelm doch einem anderen Blane 
Raulez feine Zuftimmung. Er geftattete, daß auf Schiffe Hamburgs folange ge- 
fapert miirbe, bis die Summe von 100000 Thalern, welche der Kaifer an Sub- 
fidien für den Kurfürften auf die Stadt angemwiefen hatte, erbeutet wäre. Nur fo 
glaubte Friedrich Wilhelm gegenüber der Zahlungsvermweigerung Hamburgs „endlich 
zu dem Geinigen zu fommen”. Unterm 22, Yuguft erhielt Cornelis3 Claes van Be- 
beren hierzu den furfürftlichen Befehl. 
Schon war vom Könige Chriftian V. Erlaubnis erteilt worden, hamburgifche 
Prifen nah Kopenhagen hin aufzubringen, fon mar auch das brandenburgifche 
Gefchiwader in die Nordfee gelangt und fehickte fich an, Die vorgefchriebene Prifenjagd 
zu beginnen, als die Generaljtaaten fich ins Mittel Tchlugen und durch die Zuficherung, 
einen gütlihen Vergleich mit Hamburg herbeizuführen, den Kurfürften bewogen, 
an Claes van Beveren den Befehl zur Nüdfehr ergehen zu laffen. Nun aber er- 
eignete fich das für Raule höchft empfindliche Unglüd, daß er im Kattegat zwei feiner 
beiten Schiffe verlor**). 
*) Der Kurfürft verpflichtete fich, binnen 2 Monaten für Bezahlung der betreffenden 
Schulden zu forgen. : : 
**) Paule trug wie früher die See-, der Kurfürft nur die SKriegsgefahr. 
 

	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.