Full text: Die Kolonieen Brandenburg-Preussens an der Westküste von Afrika 1681-1721

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Unfer „Tteghafter Alexander“, — meinte der Kantor — jo von unjeren Alumni3 
anno 1671 gar wader erergieret worden, Tönnte wohl weiterhin, auch beim heutigen 
Anlaffe, die Herzen von jung und alt erheben . » . 
Reibarzt Mentel hatte den Rektor am Node gezupft und zog ihn und ben 
Kantor mit fie) fort, dem St. Jürgenthore entgegen. _ f 
Bielerlei — rief er — giebtS heute ja mohl zu fehen und zu hören, Doch am 
gefpannteften bin ich auf unjers ehrenfejten Freundes, Herrn zohann Tieffen- 
bach3, Rebe, die er dem gnäbigen Herrn Kurfürften, wenn derjelbe einreitet, zu halten 
edenft! ; 
: Sie famen noch) gerade rechtzeitig an. Doc faum hatten fie fi einen geeig- 
neten Standort erfämpft, al8 eine ledhafte Bewegung und Klänge bon Trommeln, 
Pauken und Trompeten verrieten, daß der bebeutende Zeitpunkt erfchienen jei. 
Vor dem TIhore ftanden in Amtztracht entblößten Hauptes die Ratsherren der 
furfürftlichen „NReftidenzien“, pon Johann Tieffenbach geführt, ver damals ein an- 
gehender Sechziger war, aber fich noch eine3 ungemein rüftigen Körpers erfreute, 
Seht verftummten die Inftrumente, und auf einem ftattlichen Schimmel hielt vor 
den Stabtpätern der fiegreiche Fürft. Sein Antlit zeigte bereit? Spuren des heran- 
nahenden Alters, auch hatten Kriegsftrapazen und förperliche Veiven das Shrige ge= 
than, feine kräftige Gefundheit zu erfhüttern; dennoch faß er feit im Sattel und 
fein mächtige Haupt mar ftolz und felbitbewmußt erhoben. Aus feinen großen, 
glänzenden Augen ftrahlte diesmal Befriebigung, und fie richteten fih mohlmollend 
auf die Vertreter der Bürgerfchaft, insbefondere auf Tieffenbad). 
Diefer begann jeßt feine forgfältig ausgearbeitete Begrüßungsrede, Nicht von 
den Thaten des Kurfürften, von der Ueberwindung der ftarfen Schwebenfefte handelte 
diefe porzugsmeife; vielmehr hielt eg das mwürdige Stabthaupt für pafjender, den zu 
feiernden Zandesherrn meit hinab in die alte Gefhichte zu führen. Mit ebenjo 
großer Gelehrfamfeit wie Gründlichkeit Ichilderte er, in welcher Art und Weife die 
alten Griechen und Römer ihre heimfehrenden Sieger gefeiert hätten. Das Horte 
Frievrih Wilhelm, welcher ja die alte Gejchichte jehr Ichabte, ganz aufmerffam an, 
mochte auch mander in feinem Gefolge, befonder3 Feldmarfhall Derfflinger, un- 
ruhig werden und mancher Gaul durch Heftiges Stampfen verraten, daß ihm 'ber 
Aufenthalt zu lange dauere, — Endlich war der gefchichtliche Ueberblik zum qlüd- 
lichen Ende gelangt; viele mochten nun mohl eine nod) Yängere Betrachtung der 
pommerfchen Krieggereigniffe erwarten — und der Yeutjelige Herricher hätte Diefe 
mwahrjcheinlich mit der nämlichen Helvengebuld über fich ergehen laffen — aber jebt 
ward fich der brave Bürgermeifter plößlich der Pflicht bewußt, daß er den Kurfürften 
nicht allgulange aufhalten dürfe Daher faßte er fih nun verhältnismäßig kurz und 
Ichloß mit den feltfamen Verfen: 
„Sroßer Kurfürft, Eure Strahlen 
Unfer Land und Stadt hemalen! 
Euer Scepter, großer Held, 
Slänze bi8 der Himmel faltt!"*) 
ebenfalls murde dem Bürgermeifter Tieffenbach der Erfolg zuteil, an welchem 
ihm am meiften gelegen fein mußte: der Kurfürlt hatte ihn mohlgefällig angehört und 
*) Diefe eigentümliche Feftrede ift noch vorhanden. 
 

	        

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