Full text: Die Kolonieen Brandenburg-Preussens an der Westküste von Afrika 1681-1721

 
 
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mercirenden Schiffs- und Kaufleute fomohl in Yriedens- als ‚m Kriegsgeiten ges 
halten werben fünnten“, Das Marinefollegium jollte zugleich über alle Seehänbel, 
Z0l- und Lizent-Angelegenheiten entjcheiden und in ‚diefer Beziehung das früher 
eingefegte Seegericht zu Kolberg erfegen. — Friedrich Wilhelm beabfichtigte, bie 
neue Behörde mit dem bereit3 in Berlin bejtehenden „Sommercien-Eollegium” au 
bereinigen, die in diefem vorhandenen Räte im Amte zu belafjen und nur einige 
praftifhe und befonder3 fachkundige Männer hinzuzufügen. Zu letteren follten 
außer Benjamin Raule oornehmlich Vertreter der pornehmften See- und Hanbel3- 
ftäbte des Landes gehören. e 
Der DOberpräfident, welchen der Kurfürft zum Vorfitenden der Behörde au3- 
erjehen hatte, murde um feine Anficht über den ganzen Plan erfucht. 
Das unter dem 26. Januar erftattete Gutachten Schwerin jtimmt avar dem 
Plane des Herrjcher im ganzen vollfiommen zu, halt indes die unglüdlichen Kriegs=- 
zeiten nicht für geeignet, die Kommerzien zu verbeffern; dazu gehöre die Wiederkehr 
de8 Frieden, die der Mllerhöchite Gott hoffentlich endlich verleihen mwerbe, 
Vreilich „Eünne e3 ja nicht jehaden, Daß beizeiten Qeute bejtellt würden, welche bie 
Vorbereitungen für diejfe wichtige Angelegenheit träfen.” Cr felbft bittet jenoch, 
wegen jeine3 Alter3 und feiner Kränflichteit mit dem ihm zugedachten Vorfite 
in der Behörde verfchont zu merden*), 
Zmei gleichfall3 um ihre Anficht erjuchte Räte des bisherigen Kommerzien- 
Kollegs, Stephani und Efih, heben in ihrer Eingabe befonders hervor, daß die 
erite Sorge darin bejtehen müffe, „vie inländifhen Kommerzia und Manu 
falturen gueftabilieren und guerheben, denn folange fie überall im ganzen 
Lande darnieder lägen und derohalben die Länder von Einwohnern und Leuten 
entblößt und die noch vorhandenen Einwohner mit geringen Mitteln gefegnet 
wären, jolange würben die Einwohner des Landes wenig ausgeben und zur See 
bringen fönnen, wie au wenig von außen bebirfen.“**) 
Darin hatten der Minifterpräfident Schwerin und die beiven Räte wohl recht, 
daß der große Geift ihres Gebieter3 der Zeit und ihnen felber vorausgeeilt 
war, aber das fennzeichnet ja eben bedeutende, bahnbrechende PVerfönlichkeiten, 
daß fie, ohne die Aufgaben der Gegenwart zu vernachläffigen, ficheren Blickes 
bereit3 die Anforderungen der Zgufunfterfaflen.... Und wenn wir aufmerffamen 
Auges die Verhandlungen Friedrih Wilhelms mit Benjamin Raule verfolgen, 
fo vermögen mir ung des Eindrudes nicht zu entziehen, daß diefer deshalb feines 
unerjhütterlichen Vertrauens und Mohlmollens genoß, meil er, wiewohl ein Spröß- 
ling des fonft jo bebächtigen nieverdeutfchen Bollsftammes, einen feurigen, 
phbantafiereihen Geift befaß und bor anderen geihict war, Mittel und 
Wege zur Verwirflihung bedeutender Gedanfen zu finden. 
Sreilich norerit ftellten nicht Werte des Friedens, fondern der unerbittliche - 
Krieg dringende Anforderungen, — noch dringendere als bisher! Denn Gefahren, 
melche ber Kurfürft bereits im Frühlinge des Vorjahres befürchtet hatte, waren Wirk- 
lichkeit geworden. Die Nieverländer hatten Ihon am 10. Auguft 1678 zu Nim- 
wegen ihren vorteilhaften Frieden mit Frankreich erhalten, Unfähig, ich felbft zu 
" Bol. Schüd a.a 
 
i .D. IL, ©. 85. 
”*) Vgl. Schüd a. a. DO. IL, ©. 87. 
 

	        

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