Full text: Die Kolonieen Brandenburg-Preussens an der Westküste von Afrika 1681-1721

 
 
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Und dennod: Der Kurfürft ging bereitwillig auf Raules Gedanfen ein, und, 
mitten auf dem Wintermarfche nad) Preußen, fchloß er am 18. yanuar zu Marien 
walde in Hinterpommern mit diefem einen neuen Vertrag, der menigjtens einiget= 
maßen jener Denkferift zu folgen fuht, Darin gab Sriebrich Wilhelm feinem 
Marinedireftor jedenfalls recht, daß es für ihn bejfer mar, eine jeberz eit 
fampfbereite Flotte zu haben, als fich, wie bisher, bon dal zu Fall ‚einige 
Schiffe zu-mieten. Deshalb murde Raule nun verpflichtet, ihm vorläufig auf 
fechs Jahre 8 Fregatten und Galioten nebft einem Brander zu befchaffen, melche teils 
in Stralfund, teils in KRolberg ftetS bereit liegen follten. E38 waren bie Schiffe 
„Hriedrich Wilhelm“, „Dorothea“, „KRurprinz“, „Leopard“, „Roter Yömet, „Berlin, 
„Prinz Ludwig“ und „Wafferhund“ nebft dem Brander „Salamander“ mit im 
ganzen 182 Gefchügen (von 40 herab zu 4) und einer Bemannung von 400 Offizieren 
und Matrofen. Für jedes Schiff follte, fo lange es im Dienfte war, eine Monatzheuer 
von 1200 bi8 herab zu 120 Thalern, für die gefamten Mannjchaften eine Monat3- 
gage von 4480 Thalern gezahlt werden. Lägen die Schiffe ftill, jo wären an Raule 
monatlich 1000 Thaler und außerdem für je einen Zimmermann, Equipagenmeifter, 
Schmied, Bildhauer, Magazinfommis nebft Diener und Buchhalter zufammen 146 
Thaler zu entrichten. Zmei Monate zubor Tollte der Dber-Mearinedireftor benach- 
tichtigt werden, fal3 die Schiffe ganz oder nur teilmeife in Dienft treten müßten. 
Die Seegefahr hatte Raule, die Kriegsgefahr der Kurfürft zu tragen; leßterem follten 
alle Brifen gehören. 
Nicht unerwähnt Dürfen wir es laffen, daß Benjamin Kaufe nicht allein die Er= 
nennung der Schiffsoffigiere, jondern auch die Yuftiz über die Mannfchaften über- 
tragen wurde. Nach den jogenannten „Artifulsbriefen“ jollte er mit feinem Schiffs- 
friegsrate die Gerichtsbarkeit über alle Vergehen frei ausüben und nur bei Kapital: 
verbrechen follte dem Kurfürften die Beftätigung des Urteil vorbehalten bleiben. 
&3 ijt Außerft intereffant und belehrend aus jenen „Artifulsbriefen“, die 59 
Paragraphen enthalten und nach den damaligen Gebräuchen des Seerechtes bon 
Raule entiworfen worden waren, die wichtigjten Beftimmungen kennen zu Iernen. 
Die erjten Paragraphen ordnen zur Begründung einer „gottesfürchtigen Zucht“ 
Morgen- und Abendanbadhten an. Wer bei diefen ftört, „Joll vor den Maftbaum ge- 
ftellt und gepeitfcht werden, desgleichen derjenige, welcher den Namen des Herrn ver- 
geblih im Munde führt oder bei dem Namen Gottes fchmürt“. — Gegen Ungehor- 
fam, „miberrechtliche Gewalt“, Defertion und falfehe Eidesleiftung find Tcharfe 
Strafbebingungen gerichtet. — 8 21 verbietet bei Leibesftrafe, „nachdem die 
Wacht aufgefchlagen und befebt ift, einige fremde Sprache zu reben, noch euer: 
zeichen oder einig Gejchrei oder Alarm zu machen“. 8 24 verbietet „bei Vermeidung 
des Galgens, einige Briefe anzunehmen, abzugeben ober fortzufchiden, ohne Gegen- 
Matt bes Kapitän”. — Die „überfchteßenden Speifen oder Biktualien“ follen 
tieber zurücgeliefert Merben; den, der e8 nicht thut, trifft Die Strafe, „preimal 
von der Nahe zu fallen”. 8 27 fchärft ftrengen MWachtdienft ein. Mer die Wache 
verläßt oder bei derfelben jchlafend gefunden mird, Toll „Dreimal durch den Kiel 
hinburchgezogen und vor allem Sriegspolfe gepeitfcht werden“. — Strenge Strafen 
bedrohen die Trunffucht „Ein Offizier, welcher zu Schiffe trunfen befunden 
wird, fol zum erften Male 14 Tage und ein Matrofe 8 Tage in Banden gefeht, zum 
andern Male nach des Apmirals Gefallen geftraft werben. Mer aber in böfem Mute 
 
 
 
 

	        

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