Full text: Schulbuchforschung in Europa - Bestandsaufnahme und Zukunftsperspektive

Gärtner hat in einem Beitrag in der Bayerischen Lehrerzeitung von 1878 aber auch 
schon ausdrücklich gefordert, die „Jugendlust“ auch als Lesestoff im Unterricht zu nut- 
zen (BLZ 1878, 470). Dazu fühlte man sich auch durch die ministerielle Empfehlung 
von 1877 legitimiert. Häufig wurde in der Werbung auf die Empfehlung Bezug genom- 
men. In der Bayerischen Lehrerzeitung von 1929 wurde die Lehrerschaft in aller Offen- 
heit dazu aufgerufen, „diese ministeriell empfohlene Jugendzeitschrift in der Schule als 
Einzel- und Klassenlektüre“ (gesperrt im Original: A.d.V.) zu benutzen (Jugendlust, 
1929, 228). Die Absicht, der Lehrerschaft mit der „Jugendlust“ eine unterrichtlich nutz- 
bare Zeitschrift an die Hand zu geben, war ein während der gesamten Geschichte der 
„Jugendlust“ beibehaltenes Anliegen der Schriftleitung. So wurde auch anlässlich des zu 
Hindenburgs 86. Geburtstag erschienenen und reich bebilderten „Hindenburgheftes“ 
damit geworben, dass die „Jugendlust“ „keine Opfer scheut, der Jugend das Beste zu 
bieten und dem Lehrer ein brauchbares Hilfsmittel für den Unterricht in die Hand zu 
geben“ (BLZ 1933, 547). 
Es gibt auch eine Vielzahl an Belegen, dass die Lehrerschaft die „Jugendlust“ unter- 
richtlich eingesetzt hat, nicht nur als Klassenlektüre, sondern auch ganz speziell z. B. als 
Quelle für Beispielaufsätze, als Material für Nacherzählungen usw. (vgl. Liedtke, M. 
2001, 318, Fußnote 778). Ausdrücklich wird die „Jugendlust“ auch als „ergänzender 
Lesestoff“ angeboten (Liedtke, M. 2001, 306, Fußnote 22). Entsprechend konnte auch 
Franz Bauer, Schriftleiter der „Jugendlust“ von 1949-1969, in seinem Beitrag zum 
75.jährigen Jubiläum der „Jugendlust“ im Jahre 1957 feststellen, dass es ein überkom- 
menes Grundprinzip der „Jugendlust“ sei, „der Ergänzung von Fibel und Lesebuch“, zu 
dienen, weil „kein Lesebuch ... allen Wünschen und allen Erwartungen gleichermaßen 
gerecht werden“ könne (Bauer, Fr. 1957, IX). Natürlich war die Schriftleitung auch stets 
bemüht, die „Jugendlust‘“ auf die Erfordernisse des schulischen Lehrplans und auf die 
schulischen Arbeitspläne abzustimmen. Wenn die Zeitschrift z. B. über „Entdecker“ 
handelte, dann eben über solche, „deren Behandlung der Lehrplan vorschreibt“ (Bayeri- 
sche Schule 1950, 338) oder auch solche, die gerade nicht im Lehrplan standen und 
bewusst den Lehrplan ergänzen sollten (Akten des NLLV, Bd. 1, 1949, Brief Fr. Bauers 
vom 31.10.1949 an Franz Xaver Hartmann; vgl. Bayerische Schule 1954, 64). Die Aus- 
wahl der geographischen, botanischen, zoologischen und heimatkundlichen Inhalte er- 
folgt in der Weise, „daß sie als Klassenlektüre für den Heimat- und Erdkundeunterricht 
vielfach auszuwerten“ ist (Bayerische Schule 1955, 226). Immer ist die Schriftleitung 
wie bei der Osternummer 1952 bemüht, der Lehrerschaft „reiche Möglichkeiten zur 
Belebung ihres Unterrichts im Deutschen, in der Naturkunde und nicht zuletzt: in der 
Bildbetrachtung“ zu bieten (a.a.O., 1952, 80). In diese Strategie passt es auch besonders 
gut, wenn „bei der Gestaltung der Texte für unsere ABC-Schützen ... der bewährte Ver- 
fasser unserer Fibel Hans Brück“ in der „Jugendlust“ ergänzt, „was er in seinem Erstle- 
sebuch Schülern und Lehrern darbietet“ (Bayerische Schule 1955, 561). 
Offenkundig wird diese Abstimmung auf schulische Nutzbarkeit auch darin, dass 
Franz Bauer das Weihnachtsheft der „Jugendlust“ schließlich schon im November er- 
scheinen lässt. In dem Heft sollten Weihnachtsspiele, Weihnachtsbrauchtum und Weih- 
nachtslieder so zeitig angeboten werden, dass die Lehrerschaft diese Materialien bei der 
schulischen Vorbereitung auf das Weihnachtsfest noch nutzen konnte (Bayerische Schu- 
le 1950, 338). 
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