Full text: Schulbuchforschung in Europa - Bestandsaufnahme und Zukunftsperspektive

Walter Müller 
Schulbücher und 
Schulwandbilder im Spiegel der Forschung 
Zur jüngeren Geschichte 
der Schulbuch- und der Schulwandbildforschung im Vergleich 
Die wissenschaftliche Schulbucharbeit gehört spätestens seit den 1920er Jahren in Euro- 
pa zu den Forschungsaufgaben der Pädagogik. Beispiele sind etwa Siegfried Kaweraus 
„Denkschrift“ von 1927 und besonders die Aktivitäten August Riekels im Rahmen des 
Instituts für Erziehungswissenschaften in Braunschweig, aus dem nach dem 2. Weltkrieg 
das Internationale Schulbuchinstitut, das 1975 gegründete heutige Georg-Eckert-Institut 
für Internationale Schulbuchforschung Braunschweig hervorgegangen ist (vgl. Hirsch 
1971, Schröder 1961). 
In den 1960er Jahren avancierte die Schulbuchforschung international zu einem aner- 
kannten, zumeist interdisziplinär ausgerichteten Forschungszweig. In der Bundesrepu- 
blik Deutschland wurde diese Entwicklung begünstigt durch die politisch motivierten 
Schulbuchkontroversen der 60er und 70er Jahre (vgl. Stein 1979 a). Schulbuchanalyse 
war so en vogue, daß verschiedentlich sogar behauptet wurde: „Die Analysitis geht um“ 
(Vonhoff 1977, 17). Eine Flut von Einzelanalysen zu allen möglichen Themen aus allen 
Unterrichtsgebieten kam auf den Markt (s. Bibliographie: Stein 1979 b). %G 
Richtungsweisend für diesen Forschungszweig waren vor allem die Arbeiten aus dem 
Georg-Eckert-Institut (vgl. Georg-Eckert-Institut 1986); weiterhin die Studien, die im 
Rahmen und Umfeld des von E. Horst Schallenberger und Gerd Stein 1977 an der Ge- 
samthochschule Duisburg gegründeten Instituts für Schulbuchforschung e.V. durchge- 
führt worden sind. Außerdem: die Ausstellungen und Veröffentlichungen, die im Zu- 
sammenhang mit dem aus der Privatsammlung von Franz Pöggeler 1962 hervorgegan- 
genen „Archiv für Schul- und Bildungsgeschichte“ an der TH Aachen entstanden sind 
(Pöggeler 1985). Kurz: das Schulbuch stellte in den 60er und 70er Jahren nicht nur „die 
eigentliche Großmacht der Schule“ dar — wie es der Deutsche Bildungsrat 1969 formu- 
lierte (Deutscher Bildungsrat 1969, 80); es fungierte auch als beliebter und zentraler 
Forschungsgegenstand vor allem der Erziehungswissenschaft und der Fachdidaktiken 
sowie der Soziologie, Politologie, Geschichte usw. 
Demgegenüber nehmen sich die Forschungsbemühungen und -ergebnisse auf dem 
Gebiet schulischer Anschauungsbilder in diesen Jahren eher bescheiden aus. Bis in die 
Mitte der 70er Jahre fand die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Medium 
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