Full text: Schulbuchforschung in Europa - Bestandsaufnahme und Zukunftsperspektive

1997, Müller 1995 b); denn Schulwandbilder gehörten zu den zentralen Bestands- 
und Sammlungsschwerpunkten und zu den bevorzugten Exponaten aller Schulmuse- 
en; 
= zweitens durch die zunehmende Berücksichtigung nichtliterarischer Quellengruppen 
in der schul- und bildungshistorischen Forschung seit den ausgehenden 80er Jahren 
(vgl. besonders Mollenhauer ”1991, Schiffler & Winkler 1991, Pöggeler 1991, En- 
gelbrecht 1995, Schmitt u. a. 1997), wodurch nicht nur Werke der bildenden Kunst 
und dokumentarische Bildzeugnisse, sondern auch didaktische Bildmedien in das 
Zentrum des Forschungsinteresses rückten; 
= drittens durch die schon seit den 70er Jahren sich vollziehende Abkehr der Histori- 
schen Pädagogik von der geisteswissenschaftlich geprägten Ideen- und Universalge- 
schichte und ihrer verstärkten Zuwendung zur Real- und Sozialgeschichte und zu 
mikroperspektivischen Forschungsansätzen, die zu einer Aufwertung schulischer All- 
tagsquellen führte, zu denen auch Schulwandbilder zählen (vgl. Böhme & Tenorth 
1990, Kap. 4). 
Trotz dieser regen Forschungstätigkeit auf dem Gebiet der Schulwandbilder in den letz- 
ten beiden Jahrzehnten besteht aber nach wie vor sowohl in quantitativer als auch in 
qualitativer Hinsicht ein unübersehbares Gefälle zwischen der Schulbuch- und der 
Schulwandbildforschung, das vielerlei Ursache hat. Drei Hauptursachen sollen kurz 
beleuchtet werden (Kap. 2), um daran dann einige wichtige Desiderata der Schulwand- 
bildforschung vor dem Hintergrund der Schulbuchforschung zu skizzieren. 
Hauptursachen für das quantitative und qualitative 
Gefälle zwischen Schulbuch- und Schulwandbildforschung 
Die Verwurzelung der Historischen Pädagogik im „Weinberg des Textes“ (Illich) 
Nicht nur die Schule, sondern auch die wissenschaftliche Pädagogik ist seit alters her 
eine Bastion des Wortes. Das „traditionelle Bildmißtrauen“, das Schorb der Schule attes- 
tierte (Schorb 1963), läßt sich auch für die herkömmliche wissenschaftliche Pädagogik 
im allgemeinen und für die bildungs- und schulhistorische Forschung im besonderen 
nachweisen. Als Grundstoff der Geschichte galt und gilt auch heute noch weiterhin, dem 
klassischen Geschichtsverständnis der Geschichtswissenschaft entsprechend, die Spra- 
che. Den „stummen Monumenten‘“ (Gadamer) wie z.B. Bildern, wurde allenfalls Veran- 
schaulichungsfunktionen zugebilligt. Einen eigenen Quellenwert hat man ihnen kaum 
beigemessen. 
So stützten sich die großen „Geschichten der Pädagogik“ von F. H. Chr. Schwarz bis 
H. Blankertz im wesentlichen auf schriftliche Überlieferungen. Und die 1890 gegründete 
„Gesellschaft für Deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte“ legte nicht etwa schulmu- 
seale Sammlungen an, sondern gab die über sechzig Bände umfassende Schriftenreihe 
„Monumenta Germaniae Paedagogica“ heraus, in der ausschließlich literarische Quellen 
dokumentiert sind (vgl. Heinemann 1980/ 82). Ein weiteres typisches Beispiel: Obwohl 
es Friedrich Paulsen in seiner 1884 erstmals erschienenen berühmten „Geschichte des 
gelehrten Unterrichts“ nicht nur darum ging, „eine Geschichte der bewegenden Ideen“ 
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