Full text: Schulbuchforschung in Europa - Bestandsaufnahme und Zukunftsperspektive

Sporadische und wenig erschlossene Quellenbasis 
Im Unterschied zur Schulbuchforschung, die sich auf eine über ein Jahrhundert gewach- 
sene sehr breite und solide Quellenbasis stützen kann‘, mußte sich die Schulwandbildfor- 
schung bisher mit einer äußerst dürftigen Quellenlage begnügen. Zwar verfügen nahezu 
alle schulmusealen Sammlungen über zum Teil beachtliche Bestände von mehreren 
tausend Originalen; das für Forschungszwecke unverzichtbare Wissen über diese Bilder 
ist aber bisher sehr gering. Oft ist außer dem Titel und dem Verlag nichts über diese 
Bilder bekannt. Manchmal fehlen sogar diese Angaben. Kommentare zu den Bildern für 
die Hand des Lehrers, sind nur noch vereinzelt vorhanden, da derartige Texte gleichsam 
Verbrauchsmaterialien waren, die weder in Bibliotheken noch in Schulmuseen gezielt 
gesammelt und dokumentiert worden sind. Wie sich aber an den bisherigen Studien 
deutlich gezeigt hat, sind diese schriftlichen Quellen für eine angemessene Erschließung 
und Deutung der Anschauungsbilder sehr wichtig. Hinzu kommt, daß die Dokumentati- 
on und Aufbereitung von Schulwandbildern im Vergleich mit den Schulbüchern erheb- 
lich komplizierter ist; nicht nur deshalb, weil Schulwandbilder viel seltener als Schulbü- 
cher mit vollständigen bibliographischen Daten versehen sind, sondern weil veränderte 
Neuauflagen oft nur schwer zu identifizieren sind. 
Desiderata der Schulwandbildforschung 
Aus den genannten Mängeln ergeben sich vielfältige Forschungsaufgaben, die zum Teil 
in den letzten Jahren schon in Angriff genommen wurden, zum Teil aber noch gänzlich 
weiße Flecken auf der Forschungslandkarte über schulische Schaubilder markieren. 
Diese Forschungsdesiderata lassen sich auf zwei unterschiedlichen Ebenen ansiedeln: 
“ erstens auf einer empirisch-historiographischen Ebene und x 
" zweitens auf einer systematisch medientheoretisch-didaktischen Ebene. 
Einige wichtige Beispiele seien im folgenden skizziert: 
Empirisch-historiographische Ebene 
Erweiterung der bibliographischen Datenbasis 
Auf diesem Gebiet konnten in den letzten Jahren bereits beachtliche Fortschritte erzielt 
werden. Ende 2002 wurde an der Universität Würzburg am Lehrstuhl für Schulpädago- 
gik ein von der VW-Stiftung gefördertes vierjähriges Forschungsvorhaben über eine 
Gesamtdokumentation zu Schulwandbildern abgeschlossen. Im Rahmen dieses Projekts 
wurden knapp 15.000 unterschiedliche Bilder aus der Zeit zwischen 1830 und 1990 aus 
dem deutschsprachigen Raum erfaßt und — soweit möglich — bibliographisch erschlos- 
 
* Zu nennen sind hier vor allem die vielfach auch in Form von Datenbanken erschlossenen und auf CD- 
ROM zugänglichen Bestandskataloge des Georg-Eckert-Instituts für Internationale Schulbuchforschung, 
der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung in Berlin und der Sondersammlung Cassianeum der 
Universitätsbibliothek Augsburg 
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