Full text: Schulbuchforschung in Europa - Bestandsaufnahme und Zukunftsperspektive

Als besonders aufschlußreich für die genauere Bestimmung der medienpädagogi- 
schen Eigenart von Schulwandbildern erweist sich weiterhin eine Kontrastierung mit 
dem sogenannten künstlerischen Wandschmuck, d.h. mit schulischen Anschauungsbil- 
dern, bei denen die didaktische Belehrungsabsicht weitgehend oder gänzlich von ästheti- 
schen Ansprüchen überlagert ist. Denn es läßt sich nachweisen, daß der durchgängig mit 
dem Schulwandbild verknüpfte ästhetische Anspruch nur so lange und in dem Maße 
aufrechterhalten werden konnte, solange er mit der didaktischen Eigenstruktur dieses 
Mediums in Übereinstimmung zu bringen war. Sobald sich dieser ästhetische Anspruch 
gleichsam verselbständigt und eine Eigendynamik entwickelt hat, die den Lehrmittelcha- 
rakter des Schulwandbildes in Frage stellte, sind Autoren und Produzenten mit ihren 
Projekten in der Regel gescheitert. Aufschlußreiche Beispiele für diese Problematik sind 
die im Rahmen der deutschen Bilderschmuckbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts 
entstandenen „Künstlersteinzeichnungen“ (vgl. Uphoff 2002), sowie die Kontroversen 
zwischen Künstlern, Lehrern und staatlichen Stellen um die künstlerische Gestaltung des 
Schweizer-Schulwandbilder-Werkes, die 1995 zum Ende dieser über sechs Jahrzehnte 
kontinuierlich erschienenen Serie geführt haben (vgl. Kunst zwischen Stuhl und Bank 
1996). 
Als Grund nennt M. Vogel in seinem Artikel „In welchem Stil sollen wir malen?“ ei- 
ne Tatsache, die paradigmatisch für den Widerstreit zwischen Kunst und Didaktik im 
Medium Schulwandbild sein dürfte: „Die Pädagogen bestanden darauf, daß anhand der 
Schulwandbilder 'reale Inhalte’, nicht aber abstrakte ästhetische Vorstellungen vermittelt 
wurden. Die EKK (Eidgenossische Kunstkommission) hingegen war überzeugt, daß in 
einer multimedialen Welt die Schulwandbilder als Instrument der Visualisierung des 
Schulstoffs weitgehend ausgedient haben. Hingegen sollte die Wahrnehmungsfähigkeit 
und Urteilskraft in Zeiten der Bilderflut anhand von stehenden Bildern geschult werden. 
Die Berührung mit den aktuellsten Kunsttendenzen brachte dem Schulwandbild den 
Tod“ (Vogel 1998, 104). 
Weitere Systematisierung und Differenzierung der Darstellungsweisen sowie der 
Intentionen und Funktionen von Schulwandbildern 
Auch auf diesem Gebiet liegen bereits erste Forschungsansätze vor. So lassen sich im 
Hinblick auf die Art und Weise der Bildgestaltung folgende Darstellungstypen unter- 
scheiden: 
» Bilder mit vorwiegend narrativ-epischem Charakter, 
» primär analytisch-erklärende Darstellungsweisen, 
" Bilder, in denen synoptisch-vergleichende Präsentationsformen dominieren 
Im Hinblick auf die expliziten und impliziten Bildintentionen und -funktionen lassen 
sich folgende vier Verwendungszwecke differenzieren, die sich natürlich, ähnlich wie 
die Darstellungstypen, vielfach überschneiden: 
" Informatorische Funktion 
“ verbalisierende Funktion 
® politische Funktion 
" ästhetische Funktion 
(Näheres: Stach 1992, Müller 1997, 293-299) 
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