Full text: Schulbuchforschung in Europa - Bestandsaufnahme und Zukunftsperspektive

Christiane Schloms 
Das Schulbuch als Begleiter auf der Lernreise der Schüler 
Eine neue Schulbuchkonzeption aus der Schweiz 
Das Neue der Schulbuchkonzeption „Ich, du, wir‘ der Schweizer Didaktiker Peter Gallin 
und Urs Ruf wird bereits durch den Titel hervorgehoben: „Sprache und Mathematik — 
Ich mache das so! Wie machst du es? Das machen wir ab.“ Im Mittelpunkt stehen die 
persönliche Auseinandersetzung mit den fachlichen Problemen und der Austausch der 
Schüler untereinander, die im gleichen Gebiet tätig sind. Wie der Schüler allmählich in 
einer Fachsprache heimisch wird, kann in Deutsch und Mathematik exemplarisch erfah- 
ren und erlernt werden (vgl.: Ruf/ Gallin 2002, S. 154). 
Intention des Schulbuchs für das 1. bis 6. Grundschuljahr ist es, dem Schüler zu er- 
möglichen, eine persönliche Beziehung zum Unterrichtsstoff aufzubauen. Der Schüler 
soll den Stoff nicht nur beherrschen, sondern auch schätzen und verstehen lernen. Die 
entscheidende Frage lautet: „Wie kann man Schülerinnen und Schüler dazu anleiten, die 
Gegebenheiten und Intentionen ihrer Person in ein produktives Verhältnis zu den spezi- 
fischen Anforderungen der fachlichen Objekte zu bringen?“ (Ruf 2001, S. 15) Der Weg 
dazu ist die persönliche Annäherung der Schüler an den Stoff und eine Orientierung an 
zunehmend differenzierten Qualitätskriterien. Deshalb wird als durchgängiges Prinzip 
des Schulbuchs zu Beginn eines neuen Stoffkapitels immer erst eine Beziehung des 
Schülers zum Stoff hergestellt. Neben Fachfragen werden auch Fragen des persönlichen 
Erlebens, Wertens und nach dem Sinn und der Zweckmäßigkeit des eigenen Tuns 
thematisiert. Dabei spielt die Sprache in schriftlicher Form eine zentrale Rolle. 
Sie basiert auf den Annahmen, dass der Ausgangspunkt der ersten Auseinanderset- 
zung der Schüler mit dem Stoff zum einen immer auf der sprachlichen Ebene abläuft, 
auch in Mathematik und zum anderen immer in der eigenen individuellen Sprachform 
stattfindet. Denn überall, wo Menschen den Willen haben, mit einer Sache in Kontakt zu 
treten, sie zu erforschen und zu begreifen, ist die Sprache des Verstehens am Werk. Und 
überall, wo Menschen rückblickend das Erforschte sichten, ordnen, integrieren und ge- 
dächtnismäßig verfügbar halten wollen, bewegen sie sich erklärend und definierend in 
der Sprache des Verstandenen. 
Die Sprache des Verstehens, der „private oder interne Sprachgebrauch“ (ebd.) ist we- 
nig normiert und bietet dem Einzelnen die Freiheit und Flexibilität, auf individuelle Art 
Ideen zu entwickeln und Probleme zu lösen. Dem privaten Sprachgebrauch steht der 
streng normierte „öffentliche oder externe Sprachgebrauch“ (ebd.) gegenüber, der dazu 
dient, sich anderen gegenüber möglichst klar und verständlich auszudrücken. Damit 
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