Full text: Schulbuchforschung in Europa - Bestandsaufnahme und Zukunftsperspektive

 
 
Schüler eine persönliche Beziehung zu fachlichen Objekten aufbauen können, müssen 
beide Formen des Sprachgebrauchs gelernt, genutzt, und gepflegt werden. Deshalb wer- 
den im Schulbuch beide Formen des Sprachgebrauchs gleichwertig berücksichtigt und 
kultiviert. 
Dies wird durch vier methodische Instrumente sichergestellt: 
= offene Fragen bzw. Aufträge 
= Eintrag ins Reisetagebuch 
= Rückmeldungen durch Schüler und die Lehrkraft 
= Theorie erst am Schluss 
So beginnt jedes Kapitel mit einer Frage oder einer Problemstellung an den Schüler, mit 
der er sich schriftlich in seinem Reisetagebuch in seinem privaten Sprachgebrauch aus- 
einandersetzt. Sie leitet den Prozess des Verstehens aus seiner singulären Standortbe- 
stimmung ein. Verstehen heißt in dieser Phase: „Tritt fassen gegenüber dem fachlichen 
Objekt, über seine Wirkung und seine Eigenschaften nachdenken, Vorwissen aktivieren, 
störende Nebeneffekte versachlichen, die Aufmerksamkeit auf die Sache lenken, ein 
positives Selbstkonzept aufbauen, erklären, wie man die Sache sieht“ (ebd., S. 17). Das 
Leitmotiv lautet: „/ch mache das so!“. Selbst in Mathematik werden individuell gefun- 
dene Lösungen und Lösungswege in eigenen Worten erläutert. Dabei hat das vielleicht 
noch unbeholfene Suchen und Experimentieren, das Bilden von Hypothesen, das syste- 
matische Verfolgen eines einmal eingeschlagenen Weges — auch wenn es sich um einen 
Irrweg handelt —- einen größeren Stellenwert als das zufällige Erreichen der richtigen 
Lösung. 
Nach den Fragen zu Beginn eines Kapitels im Schulbuch, die sich an das Ich wenden, 
regt die nächste Fragengruppe zum Dialog mit dem Du an. Die Leitfrage lautet: „wie 
machst du es?“. Dabei sollen sich die Schüler mit den Lösungen anderer im Dialog aus- 
einandersetzen. Diese Rezeption unterstützt den Prozess, Erfahrungen im Umgang mit 
noch fremden fachlichen Problemen und Objekten zu sammeln, zu reflektieren und im 
Vergleich mit den Erfahrungen anderer zu beurteilen, zu erweitern oder gegebenenfalls 
zu korrigieren. Die singuläre Standortbestimmung findet so ihre notwendige und natürli- 
che Fortsetzung im divergierenden Austausch. Zu diesem Zweck sind im Schulbuch 
viele persönliche Schülereinträge aus Reisetagebüchern aufgenommen: 
„Das musst du dir merken. 
Lass dir bei jeder neuen Rechnung viel Zeit. 
Frag nie zuerst nach der Regel. 
Schau nicht, was die andern machen. 
Leg die Rechnung zuerst in aller Ruhe 
Ganz für dich allein bequem zurecht. 
So haben es auch 
Giordano, Ovidio, Graziella und Sonia gemacht. 
 

	        

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