Full text: Schulbuchforschung in Europa - Bestandsaufnahme und Zukunftsperspektive

 
 
sorgfältiges Prüfen herausstellt, dass zwei Abbildungstafeln auf Glanzpapier in einer 
Ausgabe weggelassen wurden bzw. werden mussten. 
Die Verpflichtung der Verlage, bei inhaltlichen Veränderungen die Zulassung aufs 
Neue beantragen zu müssen, verführt manche dazu, geänderte Auflagen als Nachdrucke 
zu deklarieren. Erst auf den dritten Blick stellt sich heraus, dass Abschnitte verändert 
wurden, wobei das Inhaltsverzeichnis sowie auch die Seitenzahl unverändert blieben. 
Hier wird um so mehr deutlich, wie wichtig es ist, an einem Ort deutsche Schulbücher in 
allen Ausgaben und Auflagen komplett zu sammeln, die dann auch die Möglichkeit 
verschaffen, einzelne Lehrbuchreihen entlang der politisch-gesellschaftlichen Entwick- 
lung und den sich ändernden Lehrplänen untersuchen zu können. Interessant könnte 
dabei z.B. auch sein, herauszufinden, warum nur der erste Band einer Lehrbuchreihe 
erschien und die vorgesehenen folgenden Bände nicht herauskamen. 
Nicht nur die Schulbuchforschung im Sinne einer vergleichenden inhaltlichen Analy- 
se ist demnach anhand des Bestandes der Bibliothek möglich, sondern auch Verlagsge- 
schichte in Verbindung mit den Abhängigkeiten von Kultusministerien und Lehrplänen. 
Nur selten gibt es deutsche Schulbücher nach dem Zweiten Weltkrieg, die länger als 
12 bis 15 Jahre auf dem Markt sind, wie man am Bestand des Georg-Eckert-Instituts 
nachweisen kann, wobei übrigens das Braunschweiger Geschichtslehrbuch „Die Reise in 
die Vergangenheit“ aus dem Westermann-Verlag eine der großen Ausnahmen darstellt, 
da es bereits in den 50er Jahren veröffentlicht wurde und noch heute in verschiedenen, 
natürlich längst modernisierten Ausgaben benutzt wird. 
Die DDR 
Diese Aussage trifft jedoch nicht auf die Schulbücher der DDR zu, die selbstverständlich 
auch nahezu komplett in der Bibliothek vorhanden sind. In den 40 Jahren des Bestehens 
der DDR sind z.B. für das Fach Geschichte 5 verschiedene Ausgaben eines Lehrbuchs 
erschienen, das wie in allen sozialistischen Ländern als einziges Buch für die Einheits- 
klasse in der Einheitsschule bestimmt war. Durch die guten bibliothekarischen Tausch- 
kontakte bedingt, die über viele Jahre trotz Mauer und Abschirmungstechnik vonseiten 
der DDR funktionierten, sehen wir uns heute in der glücklichen Lage, die Lehrbuchrei- 
hen aller gesammelten Fächer nahezu vollständig bereitzuhalten. 
Als einzigartige Quelle für eine noch nicht erfolgte Aufarbeitung und Analyse der 
DDR-Bildungsgeschichte und seiner Schulbücher darf der mit internen redaktionellen 
Anmerkungen versehene Bestand von Geschichtslehrbüchern aus dem Verlag Volk und 
Wissen bewertet werden, der der Bibliothek des Georg-Eckert-Instituts kurz nach der 
Wende übergeben wurde, nachdem leider andere politisch brisante Restbestände des 
Verlages, besonders des Fachs Staatsbürgerkunde und Zivilverteidigung, bereits vernich- 
tet worden waren. Unsere Bemühungen aus dem Bewusstsein heraus, für die Zukunft 
wichtiges Bildungsgut der Vergangenheit zu retten, kamen hier leider ai spät. 
 

	        

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