Full text: Schulbuchforschung in Europa - Bestandsaufnahme und Zukunftsperspektive

Das Schulbuchzentrum des Europarats: 
Die europäische Schulbuchsammlung 
Schon seit 1967 fungiert die Bibliothek als Schulbuchzentrum des Europarats und besitzt 
damit zwar einen ehrenvollen Titel, der aber leider nicht mit finanziellen Zuwendungen 
verbunden ist. Die Bestrebungen des Europarats, eine automatische kostenlose Beliefe- 
rung von Schulbüchern aller im Europarat vertretenen Länder in das Georg-Eckert- 
Institut zu initiieren, sind leider bis jetzt immer wieder im Sande stecken geblieben. 
Immerhin verhilft uns dieses schöne Etikett, kostenlose Belegexemplare zu erfragen. 
Allerdings zeigen sich immer weniger europäische Verlage unseren Bitten großzügig 
gegenüber, wobei zu konstatieren ist, dass auch nur wenige deutsche Verlage bereit sind, 
uns mit Freiexemplaren zu beliefern. 
Die seit Anfang der 80er Jahre intensiv vorangetriebene Sammeltätigkeit für den 
Aufbau einzelner Länderabteilungen führte für verschiedene Länder zu einer nahezu 
kompletten Dokumentation ihrer jeweiligen Schulbucherzeugnisse. Das gilt für Frank- 
reich, weil dort eine überschaubare Zahl von Schulbuchverlagen eine überschaubare 
Zahl von Schulbüchern herausgibt, es gilt für Österreich, weil wir von dort — übrigens 
dem einzigen europäischen Land — nahezu alle Schulbücher automatisch und kostenlos 
erhalten, und es gilt auch für die Schweiz, deren Schulbuchproduktion sich sehr maßvoll 
gestaltet, wenn auch z.T. getrennt in den einzelnen Kantonen. 
Für alle anderen europäischen Länder von Albanien bis Zypern können die jeweiligen 
Schulbuchsammlungen nur repräsentativen Charakter besitzen, sei es weil die Schul- 
buchproduktion zu vielfältig ist (Beispiel Italien, Großbritannien), sei es, dass es nicht 
gelingt, regelmäßig Informationen über neue Schulbücher und Erwerbungsmodalitäten 
zu erhalten und Kontakte mit Ministerien und Verlagen zu finden, sei es, dass es aus 
Kostengründen nicht möglich ist, die Bücher zu kaufen. 
Die in diesem Zusammenhang im Hintergrund lauernde Platzfrage wegen der konti- 
nuierlich wachsenden Bestände kann hier nur als bereits sichtbares Menetekel am nicht 
so weit entfernten Horizont wahrgenommen und erwähnt werden. 
Die Raumfrage eskaliert auch angesichts der Tatsache, dass die Zahl der europäischen 
Länder inzwischen von 28 auf 38 angeschwollen ist, d.h. auf fast 40% mehr seit den 90er 
Jahren. 
Die veränderte Realität geht einher mit einem freien Schulbuchmarkt, der, im Gegen- 
satz zu früher, als in den sozialistischen Ländern das Einheitsschulbuch regierte, nur in 
einigen Ländern eine anarchisch wuchernde Produktion von Schulbüchern in Gang setzt, 
wie z.B. in Russland, in Polen und in Ungarn. Die vorübergehende Explosion der publi- 
zierten Schulbücher kann in Bezug auf die im Georg-Eckert-Institut dokumentierten 
Fächern der Bibliothek im Moment nur mit Mühe aufgefangen werden. Der Prozess 
dieser sich in den Schulbüchern niederschlagenden Bildungsentwicklungen wird zum 
großen Teil vermutlich rasch von wiederum neueren, staatlich mehr kanalisierten Ent- 
wicklungen eingeholt und überholt werden, so dass die Schulbücher nur für eine Über- 
gangszeit in Benutzung sind. Hier sieht sich die Bibliothek besonders in die Verantwor- 
tung genommen, solche, vielleicht nur sehr flüchtige Produkte von Bildungsbemühungen 
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