Full text: Schulbuchforschung in Europa - Bestandsaufnahme und Zukunftsperspektive

gen, das sich auf die geschichtliche Entwicklung von Pädagogik, Bildung, Schule und 
Schulbüchern konzentriert. Als bibliographisches Arbeitsinstrument können hierbei die 
zwei inzwischen erschienenen Bestandskataloge dienen, die mit dem dritten Band ihren 
vorläufigen Abschluss finden sollen. 
Der in vier Epochen (bis 1869, 1870-1918, 1919-1932, 1933-1945) gegliederte Be- 
stand stellt vermutlich den größten geschlossenen historischen Schulbuchbestand in 
einer deutschen Bibliothek dar und bietet dadurch eine hervorragende Quellenbasis für 
historisch vergleichende Arbeiten in dem gesammelten Fächerkanon. Allerdings kann 
der Bestand aus dem 18. Jahrhundert bisher nicht konkurrieren mit anderen historisch 
gewachsenen Sammlungen, wie etwa der Bibliothek für bildungsgeschichtliche For- 
schung in Berlin. 
Die außerordentlich starke regionale Zersplitterung und eine sich überaus unter- 
schiedlich entwickelnde Schultypenvielfalt, die über unsere heutige weit hinausgeht, 
haben eine besonders reichhaltige Schulbuchproduktion geprägt, die wohl niemals kom- 
plett in einer Bibliothek dokumentiert werden kann. Auch die Kenntnis über tatsächlich 
erschienene Schulbücher wird vermutlich im Dunkeln bleiben, zumal diese nicht immer 
in bibliographischen Nachschlagewerken nachgewiesen sind. Gleichwohl wird die Suche 
nach alten Schulbüchern weitergehen, auch wenn das Aufspüren immer schwieriger sein 
wird, besonders angesichts der Tatsache, dass Antiquariate und Buchauktionen das Gen- 
re Schulbuch nur am Rande berücksichtigen 
Ein schöner, mit großen Mühen erkämpfter Erfolg auf der Suche nach deutschen 
Schulbüchern stellt eine Expedition nach Siebenbürgen im Jahre 1993 dar, die dem Ge- 
org-Eckert-Institut mit finanzieller Unterstützung des Bundesinnenministeriums einige 
hundert siebenbürgischer Schulbücher bescherte, welche nun in enger Nachbarschaft mit 
den anderen alten deutschen, auch österreichischen und ungarisch-deutschen Materialien 
eine an keinem anderen Ort anzutreffende vergleichende Forschungsgrundlage bieten. 
So wird auch hier deutlich, wie intensiv die Bibliothek eine der grundlegenden Aufgaben 
von Archiven und Bibliotheken wahrnimmt, sich für die Sicherung und Bewahrung von 
Kulturgütern einzusetzen. 
Der historische Schulbuchbestand, der komplett im Computer nachgewiesen ist, wur- 
de und wird im Forschungsinteresse der Benutzer über die normalen bibliothekarischen 
Katalogisierungsregeln hinaus erschlossen. Hierbei werden alle verfügbaren und ermit- 
telten bibliographischen Daten berücksichtigt, angefangen bei sämtlichen am Werk be- 
teiligten Personen und Verlagen, über Verlagsorte und Institutionen bis hin zu Schulty- 
pen und Regionen, so dass auch buch- und verlagsrelevante Daten abgefragt werden 
können. 
Das Kleinod: Die historische Fibelsammlung 
Innerhalb des historischen Schulbuchbestandes stellt die deutsche Fibelsammlung aus 
unterschiedlichen Gründen eine besondere Kostbarkeit dar. Sie ist mit ca. 1200 Bänden 
die größte Sammlung in einer deutschen Bibliothek. Die seit 1900 erschienenen Fibeln 
sind inzwischen sehr umfassend in vielen Ausgaben und Auflagen dokumentiert. Die 
Ergänzung noch fehlender Titel stellt allerdings häufig ein unüberwindliches Hindernis 
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