Full text: Schulbuchforschung in Europa - Bestandsaufnahme und Zukunftsperspektive

= Deskription 
Sie beginnt mit einer beschreibenden Darstellung des Schulbuchs und seiner Ver- 
wendung in der untersuchten Region, ohne Beurteilungen oder Bewertungen auszu- 
sprechen. 
= Auswahl des Vergleichsaspekts 
Für die vergleichende Gegenüberstellung ist die Festlegung und Konzentration auf 
einen (oder mehrere) Vergleichsaspekte, das sogenannte tertium comparationis nötig. 
Nur durch diese thematische Beschränkung ist mit dem Anspruch wissenschaftlicher 
Genauigkeit Verlässliches auszusagen. 
= Die Analyse ausgewählter Aspekte 
Eine genaue Analyse des jeweiligen Vergleichsaspekts im jeweiligen Land zur 
jeweiligen Zeit schließt sich an. Dabei ist stets der multifaktoriale Kontext, in dem 
die Aussagen des Schulbuchs nur verständlich werden, mit zu eruieren. Hier ist der 
Ort, eine pädagogische oder allgemeine Mentalitätsgeschichte zu erarbeiten, bei der 
außer den Leitbegriffen der staatlichen Bildungsprogramme und außer der 
Fachliteratur noch realgeschichtliche Analysen vor Ort und in der jeweiligen Epoche 
herangezogen werden müssen. 
a Auswertung der Ergebnisse 
Die Auswertung der Forschungen kann in zweierlei Richtungen erfolgen. Zum einen 
kann sie zu einem abschließenden Urteil über das Schulbuchkonzept oder über spe- 
zielle Schulbuchaspekte eines anderen Landes im Vergleich zum eigenen (oder auch 
zu wiederum einen anderen) führen, wobei das Urteil mit objektiv ermittelten Daten 
gestützt sein muss. Vergleicht der Forscher mit dem eigenen Herkunftsland, muss er 
besondere Anstrengungen unternehmen, um der Gefahr des Ethnozentrismus oder 
der emotionalen Zustimmung zum Fremden zu entgehen. Zum anderen kann die 
Auswertung vorsichtige Voraussagen über die weitere Entwicklung oder über not- 
wendige Reformen in den Schulen des untersuchten Staats machen. Insofern hilft 
diese Forschung mit, zukunftsorientierte und — unter den erkannten Bedingungen - 
realisierbare Konzepte für eine Verbesserung von Schule und Unterricht zu entwi- 
ckeln. Natürlich kann der Schulbuchvergleich solche Impulse auch für die eigene 
Schulwirklichkeit geben. 
In methodologischer Hinsicht weist die vergleichende Schulbuchforschung kein eigenes 
Methodenrepertoire auf. Sie integriert, je nach Fragestellung, die Methoden der Sozial- 
und Geisteswissenschaften, hat allerdings einen Schwerpunkt im Bereich der Ethnologie 
und bezieht insbesondere die ökonomische, politologische, historische und geographi- 
sche Sichtweise ein. 
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