Full text: Schulbuchforschung in Europa - Bestandsaufnahme und Zukunftsperspektive

Clemens M. Schlegel 
Rezensionen zu neueren Schulbuchforschungen 
Bamberger R., Boyer L., Sretenovits K., Striezl H.: Zur Gestaltung und Verwendung von 
Schulbüchern. Mit besonderer Berücksichtigung der elektronischen Medien und der 
neuen Lernkultur. Wien 1998 
Hauptanliegen der leicht lesbaren Publikation ist es, Anhaltspunkte und Richtlinien zur 
pädagogisch effektiven und fachdidaktisch sinnvollen Verwendung von Schulbüchern zu 
geben. Auf der Basis einer systematisierenden Beschreibung der wesentlichen Merkmale 
(Textarten, Strukturen, Funktionen) von Schulbüchern wird ihre Verwendung insbeson- 
dere im Kontext neuer Medien und Informationstechnologien untersucht. Dabei ist es ein 
besonderes Anliegen der Autoren, einer euphorischen Überschätzung die realistischen 
Grenzen der unterrichtlichen Einsetzbarkeit der Neuen Medien gegenüberzustellen, 
charakterisiert beispielsweise durch ein Qualtinger-Zitat aus dem Song „Der Wilde mit 
seiner Maschin“: „Ich weiß zwar nicht, wo ich hinwill, aber dafür bin ich schneller dort“. 
Die Überschätzung der Neuen Medien wird unter anderem mit der Tatsache begründet, 
dass sie von begeisterten Pionieren, die über erhebliche Motivation und Sachkenntnis 
verfügen, erprobt werden und daher Erfolge erwartbar seien. Dies lasse jedoch keine 
Rückschlüsse auf eine Breitenwirksamkeit und allgemeine unterrichtliche Effizienz 
neuer Medien zu. Die Autoren erweisen sich bei der Auflistung von Argumenten für das 
Schulbuch und gegen Neue Medien vor allem als Pragmatiker, die von der momentanen 
Schulsituation ausgehen: Mangelhafte Ausstattung der Schulen mit Computern, schma- 
les Angebot an geeigneten Programmen, fehlende Ausbildung der Lehrer auf der einen 
Seite, eine sehr gut ausgebaute Infrastruktur im Schulbuchbereich auf der anderen Seite. 
Dabei reflektieren sie aber kaum über die grundsätzlichen didaktischen Perspektiven, die 
Neue Medien prinzipiell hätten. Der apologetische Charakter der Argumente für das 
Schulbuch drängt fallweise klare Beurteilungs- und Vergleichskategorien in den Hinter- 
grund, der Begriff der Neuen Medien bleibt im Unterschied zu dem des Schulbuchs eher 
unscharf. Eine wesentliche Aufgabe des Schulbuchs im Medienverbund sehen die Auto- 
ren in seiner Lotsenfunktion: Das Schulbuch als zentrales Unterrichtsmedium gibt Quer- 
verweise auf andere Medien. Im Kontext eines konstruktivistischen Lernbegriffs arbeiten 
die Autoren unter Berücksichtigung internationaler Theorien Kriterien zur Auswahl und 
allgemein- wie auch fachdidaktischen Einsetzbarkeit des klassischen Unterrichtsmedi- 
ums heraus, erläutert durch Beispiele. Im Kapitel „Gestaltung von Schulbüchern zur 
Steigerung ihrer pädagogischen Effizienz“ werden — aufgegliedert nach einzelnen Struk- 
turelementen (Textorganisation, Schwierigkeitsgrad, Aufgabenstellungen, Gestaltung, 
..) - Kriterien für ein zeitgemäßes Schulbuch aufgeführt und begründet. Für die Einsetz- 
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