Full text: Schulbuchforschung in Europa - Bestandsaufnahme und Zukunftsperspektive

 
 
und geleitet wird. So fordert etwa der Herausgeber in seinem Beitrag (Olechowski, R.: 
„Der mehrdimensionale Ansatz in der Schulbuchforschung — Eröffnungsvortrag“ S. I1- 
20), es müsse jedes zu approbierende Schulbuch von Linguisten auf seine Textqualität, 
Verständlichkeit und Lesbarkeit hin überprüft werden. Dazu schlägt er die Verwendung 
der von Vanecek entwickelten Lesbarkeitsformeln vor. Allerdings wird die Beschrän- 
kung der (österreichischen) Schulbuchforschung auf den genannten Aspekt als Einen- 
gung kritisiert. Ziel des Bandes ist es, eine breite Palette an anderen Forschungsfragen 
aufzuzeigen. Gefordert wird ein „mehrdimensionaler Ansatz der Schulbuchforschung“, 
der, wie Gerd Stein schon 1977 vorgeschlagen hat, gleichermaßen fachwissenschaftli- 
che, fachdidaktische, pädagogische und politikwissenschaftliche Aspekte im Blick haben 
sollte. Dabei könnten die vermittelten Werthaltungen, das Bild der Frau im Lesebuch, 
die Verwendung der Schulbücher im Unterricht selbst oder die Frage nach der Rolle des 
Schulbuches im Prozess der Schulentwicklung Gegenstand der Untersuchungen sein. 
In seinem schon aus dem von Fritsche herausgegebenen Aufsatzband (Fritsche, K. P.: 
Schulbücher auf dem Prüfstand. Braunschweig 1992. Eine Rezension dieser Publikation 
finden Sie in diesem Band) bekannten Beitrag („Grundlagen und Methodenprobleme 
sozialwissenschaftlicher Schulbuchforschung“, S. 21-45) hebt Weinbrenner (Bielefeld) 
hervor, dass Schulbuchforschung aufgrund der Komplexität der Materie und der Vielfäl- 
tigkeit der Zugangsmöglichkeiten nie das Schulbuch als Ganzes zum Gegenstand haben 
könne, sondern sich immer als mehrdimensionale, multiperspektivische Aspektfor- 
schung verstehen müsse. Im Bereich der empirischen Wirkungsforschung und zur Ent- 
stehung, Vermarktung und Benutzung von Schulbüchern (Prozessanalysen) stellt Wein- 
brenner ein Forschungsdefizit fest. Der fachorientierte, inhaltsanalytische Bielefelder 
Raster ist ein bis heute relevanter methodischer Leitfaden zur produktorientierten Schul- 
buchforschung. Die durch ihn aber nicht gelöste Problematik der den Forschungsinteres- 
sen zugrunde liegenden Normativität kann durch Offenlegung derselben handhabbar 
gemacht werden. 
Richard Bamberger gibt in seinem Beitrag (S. 46-94) einen Überblick über Methoden 
und Ergebnisse der internationalen Schulbuchforschung. Dabei vermeidet er es bewusst, 
eine scharfe Grenze zwischen wissenschaftlichen und eher pragmatischen Arbeiten über 
das Schulbuch zu ziehen - ganz im Sinne Otto-Ernst Schüddekopfs, der die Schulbuch- 
arbeit schon 1966 als pragmatische Kunst bezeichnet hat. Anstelle einer bis heute feh- 
lenden Definition von Schulbuch umreißt Bamberger den Forschungsgegenstand de- 
skriptiv und referiert die wichtigsten Entwicklungen in jenen Ländern, die eine gewisse 
Bedeutung im Bereich der Schulbuchforschung aufweisen können. Dabei fällt den ehe- 
maligen Ostblockstaaten eine gewichtige Rolle zu. Vor allem im Bereich der Wirkungs- 
forschung, aber auch was die Gesamtzahl der Publikationen betrifft, sind die ehemalige 
Sowjetunion, die ehemalige DDR und Estland den westlichen Ländern deutlich voraus. 
Die meisten westlichen Publikationen stammen aus den USA, wenngleich die Beiträge 
aus Deutschland, vor allem vom Georg-Eckert-Institut für Internationale Schulbuchfor- 
schung in ihrer Bedeutung den amerikanischen nichts nachstehen. 
Gerhard Michel beleuchtet in seinem Aufsatz (S. 95-115) die Rolle des Schulbuches 
im Medienverbund. Dabei interessiert ihn besonders das Verhältnis des Schulbuches zu 
traditionellen Lernmedien und Neuen Medien. Der Autor stellt u.a. ein eigenes didakti- 
sches Modell vor, das in Anlehnung an das Berliner Modell Unterricht als kommunikati- 
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