Full text: Schulbuchforschung in Europa - Bestandsaufnahme und Zukunftsperspektive

ve Interaktion beschreibt und Störungen bzw. ungeplante Ereignisse mitberücksichtigt. 
Ausgehend von diesem Verständnis wünscht er sich Forschungsarbeiten, die nicht nur 
die Brauchbarkeit eines Schulbuches für Lehrer und Schüler im Blick haben, sondern 
vor allem seine Wirkung im unterrichtlichen Kommunikations- und Interaktionsprozess 
untersuchen. Das Schulbuch sollte nach seiner Auffassung im Medienverbund nur da 
zum Einsatz kommen, wo es Funktionen erfüllt, die kein anderes Medium in gleicher 
Weise abzudecken vermag. Festzustellen, in welchem Kontext das für welches Medium 
gilt, sei Aufgabe der vergleichenden Medienforschung. Außerdem wäre die (m. E. eher 
pragmatische) Frage zu klären, ob Schulbücher in gebundener Form oder als Lose-Blatt- 
Sammlung (wie er es vorschlägt) unter curricularem und methodischem Aspekt wir- 
kungsvoller bzw. angemessener sind. 
Weitere Beiträge beschäftigen sich mit der Verständlichkeit und „Lernbarkeit“ von 
Schulbüchern (Erich Vanecek, S. 195-215), dem Schulbuch im Spannungsfeld zwischen 
Wissenschaft und Ideologie (Josef Thonhauser, S. 175-194), dem Schulbuch als histori- 
schem Hilfsmittel staatlicher Unterrichtskontrolle (Walter Kissling, S. 116-174) sowie 
mit den Ergebnissen der einzelnen Arbeitsgruppen der Schulbuchenquete zu folgenden 
Themen: Approbationskommission, Schulbuch und Lehrerhandbuch, explizite und im- 
plizite Wirkung des Schulbuchs, Schulbuch zwischen Schule und Elternhaus, Dimensio- 
nen der Schulbuchforschung. Besonders zu diesen letztgenannten Themen finden sich 
zahlreiche pragmatische wie forschungsmethodische Hinweise. Insgesamt bietet der 
Band eine reiche Fülle an Informationen und Anregungen für den Schulbuchforscher. 
Vor allem die Desiderata dieser Forschungssparte werden besonders deutlich und ver- 
weisen so auf ein weites Feld an ausstehenden Forschungsarbeiten. 
Rauch, M., Wurster, E.: Schulbuchforschung als Unterrichtsforschung. Vergleichende 
Schreibtisch- und Praxisevaluation von Unterrichtswerken für den Sachunterricht. 
Frankfurt/ Main 1997 (Band 3 der Reihe: Freiburger Beiträge zur Erziehungswissen- 
schaft und Fachdidaktik, herausgegeben von Manfred Pelz und Martin Rauch) 
Im vorliegenden Band werden die Ergebnisse einer groß angelegten, durch die DFG 
geförderten Studie vorgestellt. Untersuchungsgegenstand waren die Schulbücher und 
Begleitmedien (z. B. Lehrerhandexemplare, Arbeitshefte etc.) für den Heimat- und 
Sachkundeunterricht an der Grundschule. Im ersten, von den Autoren als „Schreibtisch- 
inspektion“ bezeichneten Teil der Studie wurden die Unterrichtswerke mit dem eigens 
dafür entwickelten Reutlinger Raster! analysiert (benannt nach dem damaligen Dienstort 
des Untersuchungsleiters Martin Rauch an der Pädagogischen Hochschule Reutlingen). 
Dieser besteht in Orientierung an der Erscheinungsform der meisten Unterrichtswerke 
aus vier Teilrastern (Lehrerband, Schülerband, Arbeitsmappe sowie ein allgemeiner Teil 
mit Angaben, die die drei Teile übergreifend betreffen) mit insgesamt neun Kategorien: 
Bibliographische Angaben, Ziele und Inhalte, Lehrverfahren, Adressaten, Gestaltung, 
Text, Aufgaben, Bild, Bild/ Text. Die Ergebnisse der Schreibtischinspektion wurden 
 
Die deutsche Kurzfassung, die ebenso wie die vollständige Fassung und die englische Kurzfassung noch 
nicht publiziert waren, ist im Anhang des Buches enthalten. Sie umfasst 35 Druckseiten. 
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