Full text: Schulbuchforschung in Europa - Bestandsaufnahme und Zukunftsperspektive

 
 
Staats- und Landesbibliotheken waren insofern viele Schulbücher vorhanden, als die 
Verlage in monarchischen Zeiten jedes neue Schulbuch in diese Zentralbibliotheken 
liefern mussten. Bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts war es üblich, dass Herausgeber 
und Autoren von Schulbüchern in einer Dedikation die Landesherrn günstig zu stimmen 
versuchten, damit diese ihr Placet zur Verbreitung der Bücher erteilten. Nach 1945 er- 
hielt die Zentralbibliothek in Frankfurt a. M. die von den unterschiedlichen Landesmi- 
nisterien genehmigten Exemplare zur Dokumentation. 
Typisch für das geringe oder ortsweise gar nicht vorhandene Interesse an Schulbuch- 
sammlungen ist, dass zumindest in den ersten Nachkriegsjahren etwa in den Bibliothe- 
ken der pädagogischen Universitätsinstitute oder der Pädagogischen Hochschulen allen- 
falls neue, kaum aber alte Schulbücher angeschafft wurden. Sie galten als zu teuer. 
Die meisten, heute für die Schulbuchforschung zugänglichen Sammlungen sind durch 
private Initiative von Einzelpersonen (meist Lehrern) zustande gekommen, nicht durch 
öffentliche Einrichtungen. Die Sammler haben nicht nur viel Sachkenntnis, sondern auch 
viel Liebe zur Erhaltung eines wertvollen Kulturgutes, viel Beharrlichkeit in der syste- 
matischen Suche, viel Idealismus und finanzielle Opferbereitschaft in die Sammlungen 
investiert. 
Ähnlich verhält es sich mit den Schulmuseen. Auch hier führten in den meisten Fällen 
die Initiative und der Idealismus einzelner Schulhistoriker zur Gründung. Die Museen 
wurden bestückt mit Gegenständen und Texten, die die Geschichte des Schullebens 
illustrieren. Wer misst die Zeit und die finanziellen Privatmittel, die hier aufgewandt 
wurden! Zu den Texten, die schulisches Leben lebendig machen, gehören Schulbücher. 
Demnach finden sich in den meisten Schulmuseen beachtliche Sammlungen, die aus 
privater Initiative entstanden. Private Schulbuchsammlungen haben vielfach in den 
Schulmuseen ihren Platz zum allgemeinen Nutzen gefunden. Wenn ein Universitätsleh- 
rer wie im Fall von Max Liedtke zum Gründer eines universitären Schulmuseums wur- 
de“, ist das ein Glücksfall. Nicht selten wurden regionale Schulmuseen die Krönung des 
Lebenswerkes „einfacher“ Lehrer, die das getan haben, was wohlbestallten Bildungshis- 
torikern an Universitäten zur Ehre gereicht hätte, wie im Fall von Max Liedtke und dem 
pädagogischen Lehrstuhl an der Universität Erlangen-Nürnberg. Hier wurden Schul- 
buchsammlungen einzelner Lehrer als Geschenke oder Stiftungen entgegen genommen. 
So bildete z. B. die Sammlung Buchmann den Grundstock der Schulbuchsammlung der 
erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität in Nürnberg. 
Im Normalfall reichen die Bücheretats und die Räumlichkeiten der Hochschulinstitute 
für Pädagogik kaum aus zur laufenden Anfüllung wichtiger neuer Literatur des Inlands, 
und dieser wird Vorrang eingeräumt vor historischen Publikationen, die oft ungleich 
teurer sind als zeitgenössische. Ausländische Schulbücher, zumal aus früheren Epochen, 
sind in deutschen Schulbuchsammlungen nur relativ selten zu finden. 
: a Pe für bestimmte Genres alter Schulbücher (z. B. besonders für Fibeln, 
er = En en) sind seit 1945 dadurch aufgekommen, dass illustrierte 
; wenn sie originale Kupferstiche, Lithographien u. a. enthalten, von 
 
“* _ Außer dem Schulmuseum am Lehrstuhl für Pädagog 
} ik in Nürnberg hat M i i 
Schulmuseum in Ichenhausen geplant und aufgebaut IRNBNTINT: HRENNESRERUNG Einyprische 
50 
 

	        

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