Full text: Elementarisierung im Schulbuch

 
 
3.5 Eine Unterrichtslehre 
Am Ende dieses Beitrags steht ein Beispiel aus der Unterrichtslehre — ein Auszug aus 
dem „Wegweiser zur Bildung für deutsche Lehrer“ (1850/ 1851), in dem Diesterweg den 
angehenden Volksschullehrern eine Einführung in den Unterricht in der Zahlenlehre 
gibt. Dabei erteilt er zugleich eine Lektion in seinen Unterrichtsprinzipien, da er sie den 
lesenden Lehrern gegenüber selbst anwendet, indem er den theoretischen Sachverhalt 
elementarisiert: Er bringt ihn in ein konkretes, anschauliches Beispiel und arbeitet spiral- 
förmig Erkenntnisse heraus. 
Es handelt sich um das Kapitel mit der Frage: „Welches sind die Thätigkeiten des 
Lehrers und der Schüler bei allen Aufgaben im Allgemeinen?“ (1850/1851, Bd. 2, 
S. 366-370) 
Diesterweg stellt zunächst die Behauptung auf, dass zur Auflösung mathematischer 
Aufgaben eine Vielzahl von Operationen erforderlich sei, diese sich aber stets auf cha- 
rakteristische Grundoperationen auf Seiten des Lehrers und der Schüler zurückführen 
ließen. Um diese „selbst“ zu finden, soll anhand eines konkreten Falles das Lehrer- und 
Schülerhandeln analysiert werden: 
„Nehmen wir zu dem Ende die erste, beste Aufgabe vor, die uns beim Aufschlagen 
eines Rechenbuchs in’s Auge fällt: 
Z.B.: ‚Wenn ein Schüler monatlich 18 Kreuzer Schulgeld bezahlt, außerdem 
monatlich 1 Kreuzer für Dinte und für den Winter 45 Kreuzer Holzgeld giebt; wie 
viel macht dieses zusammen im Jahre?“ (S. 367) 
Es handelt sich also um eine Aufgabe aus dem den Lernenden — Lehramtskandidaten wie 
Schülern — bekannten Umfeld, d.h. Diesterweg knüpft an Bekanntes an und gibt den 
zukünftigen Lehrern ein Beispiel dafür, wie sie selbst später Aufgaben stellen sollen. 
„Wir nehmen den gewöhnlichen Fall an, daß der Schüler die Aufgabe nicht 
sogleich lösen könne. Denn zum Lernen dessen, was er noch nicht kann, ist er in 
der Schule“ (ebd.). 
Hier appelliert Diesterweg an die Geduld der Lehrenden durch einen Hinweis auf das 
strukturell bedingte Nochnichtwissen der Schüler; dabei handelt es sich um einen Rück- 
griff auf ein bereits vorher behandeltes Thema. 
„Was ist nun das Erste, das der Lehrer zu thun hat, nämlich der entwickelnde, 
durch Fragen die Aufmerksamkeit des Schülers lenkende und ihn zum Finden des 
Weges veranlassende Lehrer?“ (Ebd.) 
Diesterweg erinnert an die Methode des entwickelnden Lernens. Im Folgenden zerglie- 
dert er das Lehrerhandeln in überschaubare Schritte: 
„Natürlich“ — d.h. Diesterweg zweifelt nicht daran, dass es den Lesenden klar ist; 
trotzdem schreibt er es zur Wiederholung auf - „ist das Erste dies, daß der Lehrer sich 
still die Frage vorlegt, welches die Ursachen sein mögen, warum der Schüler — voraus- 
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