Full text: Elementarisierung im Schulbuch

 
 
enden werde. Im Unterschied dazu zeige sich ein gesunder Individualismus vor allem in 
der Pflege nationaler Besonderheiten. Die Selbstverwirklichung wird damit konformis- 
tisch der Norm der Unauffälligkeit untergeordnet. Von der konservativen Warte aus 
erscheint es als zwingend notwendig, an der Differenzierung von Massen- und Eliteschu- 
len festzuhalten. Die Leistung der ersteren ist vor allem daran zu messen, ob es gelingt, 
die Kinder und Jugendlichen gegen radikale Ideologien zu immunisieren. 
Die Beschwörung der englischen Tradition ist nicht in dem Sinne auf Statik angelegt, 
dass pauschal jede Veränderung als Übel stigmatisiert wird. Allerdings gilt es als selbst- 
verständlich, dass Veränderungen nur dann zu bejahen sind, wenn es sich um moderate 
Korrekturen handelt. In dieser Hinsicht gehen die Konzepte der New Education deutlich 
weiter. So uneinheitlich und gegensätzlich die pädagogischen Entwürfe und Versuche 
mit progressivem Anspruch auch sind, haben sie doch den Ansatzpunkt gemeinsam, dass 
sie das Konzept der Autorität grundsätzlich in Frage stellen.’ Bei den Gegenentwürfen ist 
das Konzept des autonomen Lernens von großem Gewicht: Wenn es der Disziplinierung 
bedürfe, dann solle die Sanktion sich als logische Konsequenz aus dem Fehlverhalten 
ergeben und nicht von oben herab, sondern durch die Peers verhängt werden. Egoisti- 
sche Impulse sollen nicht gebrochen, sondern durch die demokratische Selbstregulierung 
in der Gruppe gebändigt werden. Das Glück der Kinder verlange zunächst einmal da- 
nach, dass die Erzeugung von Angst und Schrecken als Unterrichtsprinzip verschwinden 
müsse. Der Unterricht solle vielmehr die Neugier und das Interesse der Lernenden ins 
Zentrum stellen, ein experimenteller Geist im Schulhaus herrschen, der Wissenserwerb 
selbst zum Abenteuer werden. Dieses Lernen sei immer als soziales Lernen zu begreifen, 
die Kooperation der Konkurrenz überzuordnen. Von daher müsse sich auch der Blick- 
winkel bei der historischen und politischen Bildung ändern: Der Fokus dürfe nicht länger 
” der eigenen Nation liegen, sondern müsse sich auf die Menschheit als Ganzes erstre- 
cken. 
Dementsprechend verbietet es sich auch, die Individualität als Ausdruck des Natio- 
nalcharakters zu funktionalisieren. Innerhalb der pädagogischen Reformbewegung be- 
steht darin Einigkeit, dass die Individualität um ihrer selbst Willen zu achten sei. Die 
pädagogische Erneuerung gilt als Basis der sozialen Erneuerung, die Politik als Fortset- 
zung der Pädagogik mit anderen Mitteln. Die Vorstellungen, zu welchem Resultat die 
soziale Erneuerung führen soll, bleiben allerdings zumeist diffus: Klar ist lediglich, dass 
die gravierenden Differenzen in den Besitz- und Bildungsverhältnissen auf legale Weise 
verringert werden sollen. Das Modell einer klassenlosen Gesellschaft, die kein Privatei- 
gentum an Produktionsmitteln mehr kennt, findet innerhalb der Reformbewegung kaum 
AR, ar Sa nen: dass die Programmatik zentralstaatlicher 
srult auf die Existenz freier Schulen angesehen wird, die in der 
Pädagogik seit Ende des 19. Jahrhunderts eine wichtige Rolle spielen. 
 
Allerdings fallen die Antworten auf diese Frage keineswe 
Badley (1917), Russell (1926, 1932) und Curry (1934). 
138 
8s einhellig aus; vgl. etwa Holmes (1911), 
 

	        

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