Full text: Elementarisierung im Schulbuch

 
 
Understatement ein, mit denen die Vermutung nahe gelegt wird, dass auch die Erwach- 
senen sich damit schwer tun, die Positionen der Parteien präzise wiederzugeben. „But we 
can safely say this - the Liberals and Conservatives have a greater belief in the value of 
private enterprise in economic affairs than has the Labour Party“ (Aston/ Jordan 1936, 
S. 54). 
Auf dem Hintergrund der unterstellten moralischen Integration des Gemeinwesens er- 
scheinen nicht nur Parteikonflikte, sondern auch soziale Diskrepanzen in den Schulbü- 
chern als sekundär. Armut gilt zwar als ein wichtiges politisches Problem, das durch die 
industrielle Revolution massiv verschärft worden sei; es wird aber durchweg der Ein- 
druck vermittelt, dass die parlamentarische Demokratie in der Lage ist, mit diesem Prob- 
lem fertig zu werden. In den Schulbüchern selbst ist erkennbar, dass manche Texte eher 
marktwirtschaftlich und andere eher sozialreformerisch ausgerichtet sind; grundsätzlich 
besteht aber darin Einigkeit, dass es den Heranwachsenden selbst überlassen bleiben 
müsse, sich im Laufe des Erwachsenwerdens hier durch die Abwägung von Pro und 
Kontra ein eigenes Urteil zu bilden.’ Diese diskursive Strategie wird allerdings dann 
unterlaufen, wenn mit sozialdarwinistischer Akzentuierung auf den Topos des Überle- 
benskampfes als Elementarkategorie zurückgegriffen wird, da mit einer solchen Kon- 
struktion Versagensängste mobilisiert werden (vgl. Lay 1921, S. 47,65, 178). 
Wiewohl in manchen Schulbüchern der Schluss nahe gelegt wird, dass wissenschaft- 
liche und technische Rationalisierungsprozesse eine Gewichtsverlagerung von der 
Marktregulierung zur staatlichen Planung bewirken, besteht doch darin Einigkeit, dass 
sich der Fortschritt selbst nicht bürokratisch verordnen lasse. „Now the whole of our 
study tends to show that a progressive people cannot be forced into one mould or fitted 
into any neat and well-rounded design. Progress is very often irregular and unexpected“ 
(GilV Valentine 1933, S. 290). 
Rechte und Pflichten 
Bei der Darstellung der Rechte und Pflichten stehen die Rechtssicherheit und die 
Rechtsgleichheit im Vordergrund; mitunter stützen sich die Ausführungen auf einen 
kurzen Blick in die Rechtsgeschichte seit den Tagen der Magna Charta von 1215. In 
diesem Blickwinkel wird die Ausweitung der individuellen Freiheit in dreierlei Hinsicht 
akzentuiert: die Meinungsfreiheit, die Versammlungsfreiheit und das Recht auf freie 
Wahlen. Es entspricht einer weit verbreiteten Gepflogenheit, die Rechte als Privileges 
auszuweisen — was auf den ersten Blick einen semantischen Widerspruch beinhaltet, 
wenn es um Rechtsgleichheit geht. Auch darin steckt ein Element des Traditionalismus: 
Die Rechtsgeschichte ist über lange Zeit eine Geschichte von Privilegien gewesen, und 
dem Verfassungsverständnis entspricht es, diesen Begriff auch dann noch beizubehalten 
wenn er eigentlich obsolet geworden ist. Im Hintergrund schwingt dabei auch die Vor- 
stellung mit, dass nun zwar nicht mehr die soziale Herkunft als Privileg zu verstehen ist 
wohl aber die nationale Herkunft. „Citizenship is the grand privilege which we all 
 
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Zu den wirtschafts- und sozialpoliti i i 
politischen Optionen in den Sch Ib 
251ff.) und Gill/ Valentine (1933, S. 251, 298). te er N ie 
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