Full text: Elementarisierung im Schulbuch

possess ... Whether deserved or not, it is the rich possession of all who are fortunate 
enough to be born and grow to adult age as members of the British race and Empire“ 
(Worts 1919, S. 1). 
Komplementär zu den Rechten wird ein Katalog von Pflichten eröffnet, bei dem die 
Gesetzestreue an erster Stelle steht (vgl. Fox 1940, S. 61ff.). Zur Gesetzestreue gehört in 
dieser Perspektive auch die Pflicht, sich gründlich informieren und bei Wahlen die eige- 
ne Stimme an Kandidaten oder Kandidatinnen zu vergeben, die sich durch ihren Sach- 
verstand auszeichnen. Auch hier wird normative Verankerung über einen historischen 
Bezug hergestellt: Die Entwicklung des politischen Urteilsvermögens gilt als elementare 
Voraussetzung dafür, sich der Vorfahren als würdig zu erweisen (ebd., S. 282). Bei der 
Konkretisierung der zivilen Pflichten im Sinne des Erbringens von Leistungen für das 
Gemeinwesen stehen die Steuerkontribution und die Bereitschaft zum Militärdienst 
obenan — wobei das politische Rollenmodell trotz der Einführung des Frauenwahlrechts 
nach dem Ersten Weltkrieg in erster Linie auf die Männer bezogen ist. 
Bei der Normierung ziviler Pflichten werden Politik und Moral durch die Einforde- 
rung tugendhafter Lebensführung zum Wohle der Nation verbunden. Ordnung fange mit 
Reinlichkeit an: „It may be safely said that a nation of dirty people is a backward nation“ 
(Peddie 1920, S. 143). Die zivilpädagogische Ethik umfasst das Insistieren auf Anstand 
und Zurückhaltung, allerdings auch den Appell, durch eigene Initiative zum Fortschritt 
beizutragen: „England is what we make it“ (Arnold-Forster 1918, S. 15). Die Heran- 
wachsenden mögen sich klar machen, dass sie selbst dazu berufen sind, Geschichte zu 
machen (vgl. Scotland 1936, S. 167). 
Die Tugendhaftigkeit messe sich daran, dass das politische Subjekt nicht nach Vorteil 
und Gewinn strebe, sondern das Gute um seiner selbst Willen suche. Patriotismus ist hier 
mit Altruismus konnotiert: Nur der selbstlose Einsatz für das Gemeinwesen sei wirklich 
ein Zeugnis der Moral. Von daher ergeht der Appell, das Common Good als Bezugs- 
punkt des politischen Handelns zu wählen. „... where there is a virile ‚public spirit’ you 
will find men and women ready, at the cost of their own time and convenience, to give 
their services on behalf of their fellow citizens without desire for any monetary reward“ 
(Peddie 1920, S.6). Während das Common Good in diesem Appell selbst diffus und 
vieldeutig bleibt, wird durch die Warnung vor ausuferndem Egoismus ein negativer 
Gegenpol markiert und affektiv besetzt: Wer der Selbstsucht nicht widerstehe, der frag- 
mentiere sein eigenes Leben und gefährde die Zukunft des Gemeinwesens (vgl. Town- 
send 1914, S. 112; Scotland 1936, S. 12ff.). Diese Strategie der moralischen Elementari- 
sierung des Politischen stützt sich auf die religiöse Assoziation der Trost- und Heillosig- 
keit einer atomisierten Existenz. 
Zeitgeschichte 
Wenn in den Lehrmitteln ein Bezug zur Zeitgeschichte hergestellt wird, dann verläuft 
die Elementarisierung in der Regel komparativ und führt zu kasuistisch entwickelten 
dichotomen Typologisierungen. Dabei werden das United Kingdom und das British 
Empire skizzenhaft mit anderen Großmächten verglichen und eine Gegenüberstellung 
von Merkmalen politischer Ordnung vorgenommen, die auf einen maximalen Kontrast 
zielt. In diesem Blickwinkel erscheint es als klar, dass der Ausgang des Weltkriegs von 
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