Full text: Elementarisierung im Schulbuch

 
 
1914-1918 als Durchsetzung von Recht und Moral gegen aggressive Anmaßung zu 
beschreiben ist (vgl. Wilson 1920b, 276). Auch wenn mit wachsendem Abstand zum 
Krieg mehr und mehr von Schuldzuweisungen an das deutsche Kaiserreich abgesehen 
und die Komplexität der internationalen Politik am Vorabend des Weltkriegs hervorge- 
hoben wird, bleibt doch der Tenor, dass die britische Politik sich durch das Bemühen um 
Frieden und Fairness auszeichne. Dies kann sich mit der selbstkritischen Einlassung 
verbinden, dass die Friedensregelung von Versailles genau dieses Gebot der Fairness 
missachtet habe: Die britische Regierung sei, indem sie die Strategie der Härte gegen- 
über dem besiegten Deutschland mitgetragen habe, den eigenen Prinzipien nicht voll- 
kommen gerecht geworden. In dieser Perspektive erscheint es nicht als überraschend, 
dass die Stabilisierung der Demokratie in Deutschland nicht gelingt — ohne dass damit 
eine Rechtfertigung der Diktatur verbunden wäre. Die Etablierung des Sowjetkommu- 
nismus im Gefolge der Russischen Oktoberevolution, der italienische Faschismus und 
die Nazidiktatur in Deutschland gelten als das Produkt des Weltkriegs von 1914 bis 
1918, der „disorganisation and distress“ für die Völker nach sich gezogen habe (Happold 
1938, S. 92; vgl. Strong 1939, S. 180; Gibberd 1939b, S. 191ff.). Während traditionsrei- 
che Demokratien in der Lage gewesen seien, diese Schwierigkeiten zu bewältigen, seien 
andere Länder von revolutionären Bewegungen heimgesucht und radikal verändert wor- 
den. 
Als das Signum der Diktatur gilt die Eigenmächtigkeit des Herrschers: „[...] a dietator 
gets himself into power, and then says, whatever happens, he must stay there“ (Strong 
1944, S. 180). Für das Volk gebe es keine Möglichkeit, Widerspruch gegen politische 
Entscheidungen einzulegen, die Regierung zum Rücktritt zu bewegen oder das System 
auf friedliche Weise zu verändern. Trotz aller Eigenmächtigkeit aber komme kein Dikta- 
tor allein aus eigener Kraft an die Macht; vielmehr werden sie von der Not des Volkes 
nach oben getragen. In den Schulbüchern tritt hervor, dass es namentlich zwischen der 
Sowjetunion und Hitlerdeutschland große ideologische Unterschiede gibt; es werden 
aber als gemeinsame totalitäre Grundzüge die Staatsverherrlichung, die Verfolgung von 
Andersdenkenden und die Drohung aggressiver Expansion hervorgehoben. Die Demo- 
kratie habe angesichts der militanten Propaganda damit zu kämpfen, dass sie das kom- 
plexere System sei und höhere Anforderungen an das individuelle Denkvermögen stelle: 
a... _ gift of democracy — freedom » is not so picturesque or sensational as the 
g spectacle of a people in uniform, marching as one to martial music. It 
appeals not to the eye or ear, but to the mind and imagination“ (Gibberd 1939b, S. 201). 
2. on 2 a. an = nationalen Konsens in verhaltener Form vorge- 
Die pe 2 ._ Er er . aa ittle direct interest in autocracy, for it is contrary to 
5 elieve and trust that the world of the future will be one in 
which democracies alone have place, and by democracy is meant democracy in spirit, 
not merely in form“ (Aston/ Jordan 1936, S. 126). 
 

	        

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