Full text: Elementarisierung im Schulbuch

 
 
DDR: „Die DDR besitzt und baut weitere umfangreiche wasserwirtschaftliche An- 
lagen, die auch die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser sichern. Die 
Abwasserbehandlung wird zunehmend verbessert‘ (Schulbuch Geographie, Klasse 
10, 1985, S. 115). 
Diese beiden Textauszüge können exemplarisch für die Darstellung des Umweltschutzes 
in sozialistischen und kapitalistischen Ländern stehen. Während bei kapitalistischen 
Ländern (hier Japan) Umweltprobleme betont werden, wird in Bezug auf die sozialisti- 
schen Länder (hier DDR) der Ressourcenschutz hervorgehoben. 
Zusammenfassend kann man sagen, dass in den Geographieschulbüchern der DDR 
keine vollständige Abkehr von der Länderkunde stattfand, wie sie im gleichen Zeitraum 
für westdeutsche Geographiebücher zu beobachten ist. Bis zum Ende der achten Klasse 
sind die Schulbücher nach einem reduzierten „Länderkundlichen Schema“ aufgebaut, 
das neben der physischen Geographie seine Schwerpunkte im Bereich der „Ökonomi- 
schen Geographie“ hatte. Nach der achten Klasse waren die Schulbücher für den Geo- 
graphieunterricht in der DDR stärker thematisch aufgebaut (physischgeographische oder 
wirtschaftsgeographische Schwerpunkte). Das Mensch-Natur-Thema hatte jedoch auch 
in diesen Klassenstufen eine große Bedeutung. Aus den Schulbüchern für den Geogra- 
Phieunterricht in der DDR lässt sich ein sozialistischer Geopossibilismus als theoretische 
Grundposition herauslesen, der den Sozialismus als die beste Gesellschaftsform für die 
Nutzung der natürlichen Möglichkeiten für die wirtschaftliche Entwicklung und den 
Erhalt der natürlichen Grundlagen (Umweltschutz) sieht. 
Ökonomische und Physische Geographie 
An den Hochschulen der DDR wurde seit den Jahren 1951/ 52 die „Politische und Öko- 
nomische Geographie“ als zweiter wichtiger Zweig neben der Physischen Geographie 
gelehrt und erforscht. „Die Politische und Ökonomische Geographie war am Anfang 
ihrer Entwicklung also eine ideologiebestimmte Kampfansage an die sog. bürgerliche 
Geographie. Hauptangriffspunkte waren das kapitalistische System und „der Imperialis- 
mus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ mit den entsprechenden Raumbezügen, 
ihren wirtschaftlichen und sozialen Problemstellungen“ (Schmidt, H. und Richter, H., 
19955. 506). Die philosophische Grundlage bildete der Marxismus-Leninismus, von 
dem als wichtigste theoretische Grundposition die Annahme abgeleitet wurde, dass alle 
negativen gesellschaftlichen Entwicklungen durch das Privateigentum an Produktions- 
mitteln verursacht seinen. Ziel war die Förderung der sozialistischen Produktionsver- 
hältnisse, die Akzeptanz des Klassencharakters als Grundlage aller entscheidenden Maß- 
nahmen und die dominante Position der Produktion (vgl. Schmidt und Richter 1995). 
Andere Bereiche der Geographie wie z.B. die Bevölkerungs-, Siedlungs-, oder Stadt- 
geographie waren der Ökonomischen Geographie untergeordnet. Die Bevölkerung wur- 
de En nur unter dem Gesichtspunkt der „Produktionskraft Mensch“ analysiert. 
ER n 7 un Geographie war die Physische Geographie das vorrangige 
Ba x - und Lehrgebiet an den ostdeutschen Hochschulen. Zentral waren hier die 
Chaftsökologischen Untersuchungen (Barsch, 1992). Man versuchte Forschungen 
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