Full text: Elementarisierung im Schulbuch

zur Geomorphologie, Hydrologie und zu Böden anhand eines Ökosystemansatzes zu 
verknüpfen. 
Obwohl sich an den ostdeutschen Hochschulen die Physische Geographie getrennt 
von der Politischen und Ökonomischen Geographie entwickelte, beschäftigten sich eini- 
ge Geographen mit der regionalen Geographie länderkundlicher Prägung. Ab den 70 er 
Jahren wurde die „komplexe, regionalgeographische Forschung“ auch von Gegnern der 
Länderkunde gefördert (vgl. Schmidt und Richter, 1995). Diese neue Länderkunde war 
jedoch einseitig auf das Lob der sozialistischen ökonomischen Integration und auf die 
Kritik an den kapitalistischen Ländern orientiert. Die Bedeutung der regionalen Geogra- 
phie wurde vor allem für den Schulunterricht hervorgehoben. 
Nun stellt sich die Frage, inwiefern sich die geschilderten inhaltlichen Schwerpunkte 
der geographischen Forschung und Lehre an den ostdeutschen Hochschulen in den 
Schulbüchern für den Geographieunterricht wieder finden lassen. 
Wie bereits festgestellt, lagen die inhaltlichen Schwerpunkte der Schulbücher für den 
Geographieunterricht in der DDR im Bereich der Ökonomischen und der Physischen 
Geographie. In den Schulbüchern spiegelt sich demnach die universitäre Fachstruktur 
wieder. Bevölkerungs-, siedlungs- und stadtgeographische Themen nehmen in den Bü- 
chern nur sehr wenig Raum ein. Es stellt sich die Frage, wie diese Themen mit der „Ö- 
konomischen Geographie“ verknüpft wurden. Dies soll anhand einiger Textauszüge 
untersucht werden: 
„Die Bevölkerung der RGW-Länder 
Zwischen dem Entwicklungsstand der Produktivkräfte und der Effektivität der 
Produktion besteht ein enger Zusammenhang. Zu den Produktivkräften gehören 
die Menschen, die Produktionsstätten, die Maschinen, der Boden u.a. Die Men- 
schen mit ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten zu produzieren, sind die Hauptpro- 
duktivkräfte“ (Schulbuch Geographie, Klasse 10, 1985, S.19). 
In diesem Textauszug wird die Bevölkerung unter dem Oberbegriff der „Produktivkräf- 
te“ gefasst. Damit steht ihre ökonomische Verwendung im Vordergrund. „Fähigkeiten“ 
und „Wissen“ werden einseitig unter dem Gesichtspunkt der Nützlichkeit für die wirt- 
schaftliche Produktion gesehen. 
„Die auffälligsten Veränderungen in der Verteilung der Bevölkerung eines Landes 
ergeben sich mit der wirtschaftlichen Erschließung von bisher industriell gering 
entwickelten Gebieten. Sie sind in der Regel dünn besiedelt, so in der UDSSR die 
Weiten Sibiriens oder die agrarisch genutzten Landesteile anderer Staaten. Dort 
kann nur ein Teil der Arbeitskräfte aus der Umgebung gewonnen werden, viele 
Arbeitskräfte müssen aus anderen Landesteilen herangeführt werden“ (Schulbuch 
Geographie, Klasse 10, 1985, S.19). 
Die im ersten Textausschnitt angesprochene Bedeutung der Bevölkerung für die wirt- 
schaftliche Entwicklung wird im zweiten Textausschnitt weiter ausgeführt. Hier wird die 
Bevölkerungsverteilung in einem Land mit der wirtschaftlichen Entwicklung seiner 
Regionen erklärt. Es fällt auf, dass die Menschen einseitig als „Arbeitskräfte“ gesehen 
171 

	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.