Full text: Elementarisierung im Schulbuch

 
 
werden, die nicht selbst über ihren Wohn- und Arbeitsort entscheiden, sondern deren 
Aufenthaltsort von übergeordneter Stelle bestimmt wird, wie aus der Formulierung 
„müssen herangeführt werden“ deutlich wird. Soziale Probleme, die sich aus Bevölke- 
rungsverteilungen und Bevölkerungsbewegungen ergeben können, werden in den Schul- 
büchern für den Geographieunterricht der DDR dagegen nicht behandelt, da der Fokus 
einseitig auf der wirtschaftlichen Nutzung der Bevölkerung lag. 
Zusammenfassend kann man sagen, dass sich wie in der universitären Ausbildung ei- 
ne Zweigliederung der Schulbücher für den Geographieunterricht in physisch- 
geographische Themen und Themen der Ökonomischen Geographie erkennen lässt. Bei 
den Themen der Ökonomischen Geographie werden bevölkerungs-, siedlungs-, und 
stadtgeographische Themen nur in geringem Umfang und immer in Bezug zur wirt- 
schaftlichen Entwicklung behandelt, was als Umsetzung der marxistisch-leninistischen 
Ideologie gewertet werden kann, in der die Aufgabe des Privateigentums an Produkti- 
onsmitteln als eine unerlässliche Bedingung der gesellschaftlichen Entwicklung gesehen 
wird. Vor allem in den Einleitungen und Zusammenfassungen der Schulbuchkapitel 
wurde versucht, die Trennung von Physischer Geographie und Ökonomischer Geogra- 
phie aufzulösen und in ein Gesamtbild der zu behandelnden Region zu integrieren. Der 
Übergang zwischen physisch-geographischen Themen und Ökonomischer Geographie 
wurde sehr häufig durch das Thema „Landwirtschaft“ erreicht, bei dem die Auffassung 
der Natur als „Produktionsfaktor“ für die Wirtschaft den SchülerInnen vermutlich be- 
sonders einleuchtend dargestellt werden konnte. Da die natürlichen Grundlagen ebenso 
wie die Bevölkerung, vorrangig unter ihrer ökonomischen Verwendbarkeit gesehen 
wurden, wird klar, warum die Themen der Ökonomischen Geographie einen sehr viel 
größeren Umfang (60%) in den Geographieschulbüchern einnahmen, als die Themen der 
Physischen Geographie (40%). 
Schlussfolgerungen 
Wie dargestellt, orientierte sich die Elementarisierung der Inhalte für den Geographieun- 
terricht der DDR in den analysierten Schulbüchern an drei dominanten fachdidaktischen, 
politischen und fachwissenschaftlichen Konzepten: der Länderkunde, der marxistisch- 
leninistischen Lehre und an den fachlichen Konzepten der Physischen und Ökonomi- 
schen Geographie in der DDR. Diese drei Konzepte wurden in unterschiedlicher Weise 
kombiniert und ihr Gewicht variierte je nach Jahrgangsstufe. Während die Länderkunde 
eher für die unteren Klassenstufen relevant war, war die thematische Unterscheidung in 
Themen der Physischen und der Ökonomischen Geographie eher in den höheren Klas- 
me dominant. Während die Themen der Physischen Geographie größtenteils sach- 
ic richtig und sehr viel umfassender dargestellt wurden, als es in vielen heutigen Geo- 
ns. der Fall ist, war der ideologische Anteil bei Themen der Ökonomi- 
ee ze hoch. Bei diesem Themengebiet finden sich vorwiegend 
Vokal, a unsen die den negativen wirtschaftlichen, sozialen und politischen 
ner a en Ländern, die fast ausschließlich positiven Darstellun- 
der Schül I Pureen JAnder gegenübergestellten. Eine kritische Auseinandersetzung 
erInnen mit den gesellschaftlichen, sozialen und politischen Problemen in „so- 
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