Full text: Elementarisierung im Schulbuch

 
 
Rolle: Kenntnis plus Motiv, Fertigkeit plus Kenntnis, Motiv plus Fertigkeit, zwei Kennt- 
nisse, zwei Motive, zwei Fertigkeiten: alle Paarungen sind möglich. Es stehen aber auch 
die Strukturmomente untereinander in einem strukturellen Zusammenhang, sodass man 
zwei von ihnen zu einem Strukturmoment zweiter Ordnung zusammenfassen kann, und 
davon wieder zwei zu einem Strukturmoment dritter Ordnung; das geht so weiter bis zur 
vollständigen Konstruktion des Gegenstandes (So etwas ist freilich praktisch noch nie 
durchgeführt worden, doch gibt es seit langem Ansätze und Versuche in dieser Richtung 
im Bereich des Unterrichts mit digitalen Medien). 
Der Unterrichtsgegenstand ist also vorgegeben als eine bestimmte Struktur aus be- 
stimmten Kenntnissen, Fertigkeiten und Motiven. Damit bin ich aber noch nicht beim 
Unterricht selbst. Um dahin zu gelangen, ist eine dramatische Schwierigkeit zu überwin- 
den. Verursacht wird sie von der dem Phänomen Unterricht grundlegenden Dimension 
der Zeit. Wenn das nicht so wäre, hätten alle Wunderlehrer recht; man brauchte z.B. nur 
ein Lehrbuch, sagen wir: des Flötenspiels, dem Schüler über Nacht unters Kopfkissen 
legen, und am Morgen spielte er Bachs a-moll-Sonate. Nein; der Gegenstand ist zwar 
dem Lehrer im vollen Umfang gegenwärtig, aber der Unterricht soll ihn dem Schüler 
gegenwärtig machen; und diese Gegenwart ist ein Zeitpunkt in der Zukunft. Der Unter- 
richtsgegenstand ist also in seiner strukturellen Gestalt gar nicht aneignungsfähig; der 
Schüler kann ‚damit nicht(s) anfangen’. Hier beginnt die Lehrerarbeit. Die strukturelle 
Einheit des Gegenstandes muss aufgelöst, das Nebeneinander seiner Strukturmomente in 
ein Nacheinander überführt werden; terminologisch gesprochen: Strukturen werden in 
Sequenzen transformiert, die dem zeitlichen Gang des Unterrichts zugrunde gelegt wer- 
den. So entsteht die Zeitstruktur des Unterrichtsverlaufs; sie trägt seit alters den Namen 
Artikulation des Unterrichts. 
‚Die Artikulation des Unterrichtsgegenstandes wäre eine leichte Sache, wenn das 
Prinzip, nach welchem zu sequentieren ist, dem jeweiligen Gegenstand selbst entnom- 
men werden könnte, sodass er nur so und nicht anders artikuliert werden kann. Das ist 
aber nicht der Fall; glücklicherweise, denn sonst wäre das Lehrersein ein ziemlich 
stumpfsinniger Beruf. Nein, der Lehrer, ob in der Lehrplankommission, ob in der Schul- 
buchredaktion, ob im Klassenraum, er ist frei in der Art und Weise, wie er seinen Ge- 
genstand artikulieren will. Er muss nur aufpassen, erfolgreich zu sein, denn wenn am 
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n welcher Reihenfolge die Kippe gelernt wird. —- Woher gewinnt 
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entnehmen ist? Man gewinnt es aus der Schülerarbeit. 
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