Full text: Elementarisierung im Schulbuch

schaftliche Beiträge (z.B. Diercke 12/ 13 2001; Böhn 2001). Daneben werden statisti- 
sche Daten herangezogen, die teilweise bereits elementarisiert sind (z.B. Bruttoinlands- 
produkt pro Kopf, Klimadaten). Auch Presseartikel werden in Schulbüchern verstärkt 
verwendet, weil sie meist anschaulich geschrieben sind und wegen der Recherchen als 
glaubwürdig gelten. Allerdings wird dabei übersehen, dass Journalisten aus ihrem 
Selbstverständnis meist Partei beziehen und gar keine objektive Sicht vermitteln wollen. 
Auch sind grundsätzliche Aussagen meist nicht das Ziel von Presseartikeln, daher müs- 
sen sie etwa durch Aufgaben für eine Elementarisierung erschlossen werden. 
Insgesamt ist vom Ansatz her eine sachgerechte Elementarisierung möglich und er- 
folgt weitgehend korrekt. Leider finden sich Beispiele, bei denen die Reduktion lediglich 
eine kognitive Vereinfachung bedeutet, ohne dass von den Autoren vorher das erkennt- 
nisleitende Ziel festgelegt wurde. Probleme ergeben sich außerdem zum einen in den 
Teildisziplinen der Geographie, zum anderen bei der methodischen Umsetzung fachli- 
cher Inhalte. 
Zur Elementarisierung fachwissenschaftlicher Inhalte 
Die Schulgeographie vermittelt als Zentrierungsfach nicht nur Erkenntnisse der Geogra- 
phie, sondern auch räumlich relevante Forschungsergebnisse weiterer Wissenschaften 
wie der Geologie, der Klimatologie, Meteorologie, Physik, Mathematik, Wirtschaftswis- 
senschaften, Soziologie, Politik, Architektur, Geschichte — um nur die wichtigsten zu 
nennen. Hinzu kommt, dass sich die Geographie selbst wieder in Teildisziplinen gliedert. 
Die Allgemeine Geographie erforscht räumliche Gesetzmäßigkeiten, die möglichst glo- 
bal, zumindest aber über ein konkretes Raumbeispiel hinaus gültig sind. Sie gliedert sich 
wiederum in die Physische Geographie (auch: Naturgeographie), welche die Raumwirk- 
samkeit von Naturfaktoren untersucht und die Humangeographie (auch Kulturge- 
ographie, Anthropogeographie), die vor allem die Gestaltung des Raums durch den 
Menschen untersucht. Die Regionale Geographie geht demgegenüber nicht nomothe- 
tisch, sondern idiographisch vor, untersucht die konkrete Struktur eines ganz bestimmten 
Raumes und seine Wandlungen. Diese Vielzahl an fachwissenschaftlichen Bezügen ist 
auch von einem größeren Team von Schulbuchautoren nicht wissenschaftlich gleichwer- 
tig zu erfassen. Das kann auch nicht das Ziel eines Schulbuchs sein, weil das Schulfach 
kein vereinfachtes Abbild einer oder, wie bei der Geographie, einer Vielzahl von Fach- 
wissenschaften ist. Inhalte der Schulbücher werden von pädagogischen Zielsetzungen 
vorgegeben, wie bereits formuliert wurde: welche Kompetenzen müssen einem Schüler 
vermittelt werden, damit er sein Leben verantwortungsbewusst gestalten kann? Damit ist 
für das Schulfach Geographie nicht das Raumbeispiel selbst das (Meta-) Ziel, sondern 
die Erkenntnis, die aus diesem Beispiel gewonnen wird. Das Ziel, wie bereits bei der 
begrifflichen Festlegung dargestellt, bestimmt, in welcher Richtung elementarisiert wer- 
den soll. 
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